Telepolis25.10.2002 Eine Katastrophe für die Bevölkerung

Peter Nowak


Die Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) warnen
vor Angriff auf den Irak

So viel Lob für die rot-grüne Bundesregierung ausgerechnet von einer
Organisation der Friedensbewegung hätte wohl noch vor zwei Jahren kaum
jemand für möglich gehalten. Es war Schröders Distanz zur Irakpolitik
der USA, die einige, der aus der ganzen Welt nach Berlin gereisten
Vorstandsmitglieder der renommierten Friedensorganisation
[1]Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges zum Lob auf die
Regierung veranlasste.

Am Donnerstag begann die mehrtägige Vorstandssitzung, die ursprünglich
in den USA stattfinden sollte. Doch weil das Spendenaufkommen nach den
Anschlägen vom 11.September an die US-Sektion [2]Physicians for Social
Responsibility deutlich zurück gegangen und die Organisation daher in
Geldnöten ist, wurde kurzfristig Berlin zum Tagungsort ernannt. Dort
haben nämlich die Kriegsdrohungen gegen den Irak zu größerem Interesse
an der Arbeit der Organisation und einem gestiegenen Spendenfluss
geführt.

Doch der IPPNW hat seine Aufmerksamkeit nicht erst in der letzten Zeit
auf den Irak gerichtet. Schon seit Jahren beschäftigt sich die
Organisation mit der wesentlich durch das [3]Embargo verursachten
katastrophalen Situation des irakischen Gesundheitswesens. Mit
[4]Hilfsprojekten versucht die österreichische Sektion das Leben von an
Krebs Erkrankten in der Gegend um Basra zu retten. Die Ärzte sehen in
den Krebserkrankungen Spätfolgen des abgereicherten Urans (DU), das
während des letzten [5]Golfkriegs, aber etwa auch im Kosovo-Krieg von
den US-Truppen [6]verwendet wurde ( [7]Low Intensity Nuclear War).
Anfang November wird ein Expertenteam unter Vorsitz des
Stellvertretenden IPPNW-Vorsitzenden Robin Stott den aktuellen
Irak-Gesundheitsbericht vorstellen.

Großes Augenmerk legt die Friedensorganisation auf die Folgen, die ein
Krieg gegen den Irak für die Umwelt hätte. "Ein erneuter Angriffskrieg
am Golf träfe eine verelendete, hilflose Zivilbevölkerung, die
teilweise noch immer im Schatten des Umweltinfernos von 1991 lebt",
lautet das [8]Fazit des Umweltexperten Knut Krusewitz.

Der IPPNW arbeitet überwiegend im Hintergrund. Nur in seltenen Fällen
mischt er sich in die aktuelle politische Debatte ein. Für die
US-Sektion PSR ist ein solcher Notfall mit den Kriegsplänen seines
Landes gegen den Irak eingetreten. Deshalb hat die Organisation am
4.Oktober eine ganzseitige Anzeige unter dem Titel "PSR Says Vote NO on
Preemptive War" und "Vote NO on War Against Iraq" in der New York Times
geschaltet.

Der IPPNW hält allerdings auch weiterhin an einer Forderung fest, die
nach dem Ende der Blockkonfrontation vielleicht zu schnell aus der
öffentlichen Debatte verschwunden ist: die Bildung atomwaffenfreier
Zonen. Der IPPNW-Vizepräsident und Dumaabgeordnete Prof. Sergej
Kolesnikow aus Irkutsk erklärte stolz, dass auf dem Territorium der
ehemaligen Sowjetunion mit Erfolg daran gearbeitet werde.

Der IPPNW tritt natürlich auch für eine Abrüstung im Irak ein. Die
aber kann nach Überzeugung der Friedensärzte nur durch Verhandlungen
und Abkommen über die Nichtweiterverbreitung von atomarem Material
erreicht werden.

Links

[1] http://www.ippnw.de
[2] http://www.psr.org
[3] http://www.embargos.de/irak/statement/sponeck_rede_ippnw_fr.htm
[4] http://www.saar.at/irak_aladin_bericht.html
[5]
http://www.gulflink.osd.mil/du_ii/index.htm#III.%A0%20Depleted%20Uranium
_A%20Short%20Course
[6]
http://magazine.orf.at/report/int/sendungen/010110/010110_2.htm
[7] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/4805/1.html
[8] http://www.uni-kassel.de/fb10/frieden/regionen/Irak/krusewitz.html

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