Neues Deutschland vom 22.10.02Hilfskampagne für verletzte Gefangene
Bei Todesfasten starben bisher 95 Menschen

Von Peter Nowak

»Diese Menschen gehen Schritt für Schritt in den Tod. Die Zeit, Stopp zu
sagen, ist schon längst gekommen.«
Mit diesen Worten äußerte sich der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk über
den Hungerstreik politischer Gefangener in der Türkei, der am 20. Oktober
vor zwei Jahren begann. Pamuk hat gemeinsam mit seinen Schriftstellerkollegen
Yasar Kemal die todesfastende Feride Harman besucht. Die ehemalige Gefangene
setzt ihren Hungerstreik in einem Wohnhaus in Istanbul fort. Die beiden
Schriftsteller wollten mit ihrem Besuch an den anhaltenden Gefangenenkampf
erinnern, bei dem in letzten beiden Jahren 95 Menschen starben.
Am 19. Dezember 2000 stürmte schwerbewaffnetes Militär zahlreiche türkische
Gefängnisse, in denen sich hungerstreikende Gefangene befanden. Damals ging
dieses Bild um die Welt: Eine Frau, ihr Gesicht total mit weißer Salbe
eingerieben, ruft aus der offenen Tür eines Krankenwagens: »Sie haben sechs von uns
bei lebendigem Leib verbrannt«. Die Frau heißt Birsen Kars und hat trotz
schwerster Verbrennungen überlebt. Doch sechs Frauen, die mit Birsen Kars in
einer Zelle inhaftiert waren, starben. Ein Gasgemisch, das die Soldaten durch das
geöffnete Dach in die Zellen strömen ließen, truf dazu bei, dass sie bei
lebendigem Leib verbrannten.
Jetzt haben Menschenrechtler eine internationale Hilfskampagne gestartet.
Mit den gesammelten Geldern sollen dringend notwendige Operationen von drei
Gefangenen bezahlt werden, die bei dem Sturm auf die Gefängnisse schwer verletzt
wurden. Neben Birsen Kars, die noch immer inhaftiert ist, handelt es sich um
Hacer Arikan und Ebru Dincer, die aus gesundheitlichen Gründen freigelassen
wurden. »Mehr als 20 Operationen sind notwendig, um den drei schwer
brandverletzten Frauen wieder ein Stück Vergangenheit zurückzugeben, ihr
ursprüngliches Aussehen und ihre Lebensqualität wenigstens zu einem gewissen Teil
wiederherzustellen«, berichtet Vesile Yücel. Die in Köln lebende Rechtsanwältin
gehört mit ihrem Kollegen Ahmet Düzgün Yüksel zu den Initiatoren des Aufrufs.
Beide schätzen, dass sich die Kosten für die notwendigen Operationen auf mehr als
200000 Euro belaufen. Dabei handelt es sich bei den Frauen nur um die
dringendsten Fälle, so Anwältin Yücel. Sie erinnert daran, dass in der Türkei mehr
als 300 frühere Häftlinge leben, die durch die Polizeiaktionen, den
Hungerstreik und die Zwangsernährung irreparable gesundheitliche Schäden erlitten
haben.
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Spenden an: Stadt-Sparkasse Dortmund, Konto Ahmet Düzgün Yüksel 292 136 803,
BLZ 440 50199, Stichwort: Hilfskampagne Frauen

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