jungen Welt vom 22.07.2002Und in New York sowieso
Gefuehlsechte deutsch-amerikanische Freundschaft - im Martin-Gropius-Bau Berlin
Peter Nowak

Der 11. September wirft seine Schatten voraus. Ein Jahr nach den Anschlaegen in New York und Washington rollt eine Welle von Betroffenheitsritualen auf uns zu. Die von der Bundeszentrale fuer politische Bildung konzipierte Ausstellung "here is New York" im Berliner Martin-Gropius-Haus stimmt schon mal ein. Auf den Flyern ist ein in die US-Flagge gehuelltes Kind zwischen den Fotos von im Word Trade Center vermissten Menschen zu sehen. Michael Naumann bringt die politische Aussage auf den Punkt: "Vor nahezu 40 Jahren hielt John F. Kennedy, damaliger amerikanischer Praesident, eine seiner beruehmten historischen Reden in Berlin. Mit den Worten >Ich bin ein Berliner< demonstrierte er seine Verbundenheit mit den Berliner Buergerinnen und Buergern. Am 13.Oktober 2001, wenige Wochen nach den Anschlaegen auf das World Trade Center und das Pentagon, demonstrierten ueber 200000 Berlinerinnen und Berliner ihre Verbundenheit mit dem amerikanischen Volk und aeusserten gleichzeitig ihre Sorgen ueber die Folgen des 11. September".

So einfach kann Kunst sein, wenn sie sich als Fortsetzung der Politik versteht. Auf den 500 ausgestellten Fotos ist all das zu sehen, was nach dem 11.September in allen Medien zu finden war. Brennende Tuerme, rennende Menschen, Rauchwolken, Vermisstenmeldungen, trauende Angehoerige mit Kerzen in den Haenden. Nur auf wenigen Fotos finden sich Motive, auf denen US-Buerger ihre Trauer ueber die Toten des 11.September mit der Erinnerung an die Opfer der US-Aussenpolitik kombinieren. Auch kleine Demos sind zu sehen, auf denen US-Buerger vor den kommenden US-Kriegen warnen und das vor dem noch qualmenden WTC-Ruinen. Die Grundaussage der Ausstellung veraendern solche Bilder nicht. Es geht um die Zelebrierung der deutsch-amerikanischen Freundschaft. Das wird vor allem im letzten Raum deutlich, wo man an einem Computer die ausgestellten Bilder im Internet finden und gegen Bezahlung mit einer Widmung Freunden zumailen kann. Auf einer Tafel sollen Besucher eigene Fotomotive aus den USA aufhaengen. Hier dominieren verwackelte Urlaubsfotos von der Terrasse des WTC.

Die Botschaft ist klar. Wir sind alle Opfer der Anschlaege, und wenn es Ernst wird, schlagen wir auch alle gemeinsam zurueck. Bedingungslose Solidaritaet nicht nur fuer die Militaer- und Aussenpolitik.

* "Here is New York", Martin-Gropius-Bau, Berlin, noch bis 7.Oktober

[Index] [Nowak] [Thematisch] [vor1999] [Chronologisch99] [Chronologisch 2000] [Chronologisch 2001] [Chronologisch 2002]