jungen Welt vom 24.07.2002Fuer ein freies Europa
Antirassistische Grenzcamper protestierten gegen menschenunwuerdige Residenzpflicht
Peter Nowak

Das antirassistische Grenzcamp in den Rheinauen bei Strasbourg erfaehrt immer mehr Zulauf. Bei sommerlichem Wetter hat sich die Teilnehmerzahl mittlerweile auf weit ueber 1500 erhoeht. Noch immer stroemen Menschen aus ganz Europa herbei, und selbst Aktivisten aus den USA und Belorussland haben sich inzwischen unters Volk gemischt. Damit wurde auch die Befuerchtung mancher Camp-Organisatoren zerstreut, dass die Veranstaltung ueberwiegend von deutschen Linken dominiert werden koennte.

Allen Verstaendigungsschwierigkeiten zum Trotz demonstrieren die Teilnehmer grosse Einigkeit in ihren Aktionen. So beteiligten sich am Montag morgen ueber 1000 Menschen an einer Solidaritaetsdemonstration mit Fluechtlingen und "sans papiers" (Menschen ohne Papiere) vor dem europaeischen Menschenrechtsgerichtshof im Europa-Viertel von Strasbourg. Im Mittelpunkt des Protests stand die in Deutschland praktizierte Residenzpflicht, die es Fluechtlingen untersagt, ihren Land- oder Stadtkreis zu verlassen. "Wir sind hier, weil wir in einem Mitgliedsland der EU, das die europaeische Menschenrechtskonvention unterschrieben hat, nicht frei sind", erklaerte ein Sprecher der Migrantenorganisation The Voice. Dabei verglich er die menschenunwuerdigen Repressalien mit jenen zu Zeiten der Apartheid in Suedafrika. "So wie diese Unterdrueckung nach langen Kaempfen ueberwunden wurde, so werden wir auch fuer unser Recht auf Bewegungsfreiheit in Deutschland kaempfen", bekraeftigte der Fluechtlingsaktivist.

Wegen der Ferienzeit blieb die Zahl der Passanten am Rande der Demonstration allerdings begrenzt. Aufgeschlossene und zustimmende Reaktionen gab es dennoch zuhauf, was auch die Aktivisten des Wiener Kulturprojekts Volkstheater, die jeden Tag vor dem Strasbourger Hauptbahnhof eine temporaere No-Border-Zone aufbauen, bestaetigten.

Weniger aufgeschlossen zeigte sich wie so oft die Staatsmacht. Im Anschluss an die Demonstration am Montagnachmittag wurden drei Personen kurzzeitig festgenommen. Schon am Tag zuvor kam es bei einer Plakatieraktion zu Rangeleien und einer Festnahme.

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