Telepolis 26.2.02Tod im Tessin

Peter Nowak

Der Tod eines italienischen Globalisierungskritikers am 2.Februar
sorgt in Italien noch immer für Schlagzeilen

Bis zum 2.Februar kannte kaum jemand den Namen von Eduardo Parodi. An
diesem Tag starb der 22-Jährige in der Wohnung eines Freundes im
Tessin. Schon damals wurden erste Gerüchte über den Todesfall im
Netzwerk Indymedia [1]verbreitet. Bald wurde bekannt, dass Parodi ein
enger [2]Freund von dem im Juli 2001 durch einen Polizeischuss in Genua
ums Leben gekommenen Carlo Giuliani war.

Wenige Stunden vor seinen Tod hatte Parodi an einer Demonstration
gegen das in diesem Jahr von Davos nach New York verlegte
Welt-Economic-Forum (WEF) in Zürich teilgenommen. Auf dem Rückweg
übernachtete er bei einem Freund im Tessin. Parodi klagte über große
Müdigkeit und Atembeschwerden. Am nächsten Morgen wurde er tot im Bett
gefunden. Aus seinen Ohren und der Nase war Blut gequollen.

Die italienischen Behörden streuten sofort das Gerücht, Parodi sei
drogenabhängig gewesen und an einer Überdosis Heroin gestorben. Dieser
Lesart trat die Mutter seines toten Freundes Carlo Giuliani mit großer
Entschiedenheit entgegen. " Ich habe nie etwas wegen der vielen
Unwahrheiten unternommen, die über meinen Sohn verbreitet wurden, jetzt
aber wehre ich mich wegen der Unwahrheiten, die über Edo im Umlauf
sind."

Darauf wurde die These von dem Tod durch Heroin stillschweigend wieder
fallengelassen. Fast wäre die ganze Sache in Vergessenheit geraten. Die
Untersuchungsbehörden machten ein unbekanntes traumatisches Ereignis
für den Tod verantwortlich. Doch jetzt hat ein Artikel in der
italienischen Tageszeitung [3]Il Manifesto die Diskussion um Parodis
Tod in Italien wieder neu entfacht. Schließlich ist die Zeitung nicht
nur für ihren entschiedenen linken Standpunkt sondern auch für ihre
Seriosität bekannt.

Als wahrscheinlichste Todesursache gilt ein Tränengas mit der
chemischen Bezeichnung Ortoclorobenzalmalonitril, das schwere Schäden
an Haut und Lungen verursacht und zum Tod führen kann. Es soll bei den
Protesten in Zürich gegen Demonstranten eingesetzt worden sein. Die
Schweizer Staatsanwaltschaft ermittelt in dieser Richtung weiter und
hat mittlerweile auch Zeugenaussagen gesammelt, nach denen Parodi auf
der Demonstration mit CS-Gas besprüht wurde. Ob sich die Angelegenheit
endgültig aufklären wird, ist fraglich. Eine weitere Autopsie ist nicht
mehr möglich, weil Parodis Leichnam mittlerweile eingeäschert wurde.

Italienische Globalisierungskritiker zumindest haben schon auf ihre
Weise reagiert. An der Piazza Alimonda in Genua, dort wo Carlo Giuliani
im letzte Sommer starb, haben sie jetzt den Namen seines Freundes
angebracht.

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