TELEPOLIS01.01.2002 5 Wochen auf Verdacht in Einzelhaft
Peter Nowak
 

Was einen Deutsch-Marokkaner widerfuhr, der in den USA eine Flugschule
besuchen wollte

Schon seit Wochen wurde über die Massenfestnahmen auf Verdacht in den
USA nach dem 11.September berichtet ( [1]Liberty Dies by Inches). Oft
reichte ein arabisch klingender Name aus, um für unbegrenzte Zeit im
Gefängnis zu verschwinden. Menschenrechtsorganisationen in den USA und
im Ausland kritisierten diese jeglichen Grundrechten zuwiderlaufende
Praxis ( [2]Alles in Ordnung). Doch sie fanden kaum Gehör.

Jetzt wurde bekannt, dass auch ein in Darmstadt lebender
Deutsch-Marokkaner ins Visier der Behörden geriet. Hossain El-Quariachi
hatte schon vor dem 11.September geplant, in den USA eine Flugschule in
Las Vegas zu absolvieren. Doch dazu sollte es nicht kommen. Schon bei
der Einreise am 12.Oktober wurde er in Pittsburgh von
Sicherheitskräften festgenommen und sofort ins Gefängnis gebracht, wo
er fünf Wochen in Einzelhaft zubringen musste. Jeglicher Kontakt mit
anderen Häftlingen war ihm verboten. Als sich herausstellte, dass er
weder Kontakt zu islamischen Gruppen hatte, noch irgend etwas mit den
Anschlägen vom 11.September zu tun hatte, wurde Quariachi aber nicht
freigelassen, sondern wegen Visumsbetrug zu einer Haftstrafe von sechs
Monaten verurteilt. Der Darmstädter hatte bei der Einreise schlicht
Urlaub als Aufenthaltsgrund genannt und den Flugunterricht nicht
angegeben.

Erst als sich deutsche Freunde für ihn einsetzten und für Quariachis
politische Zuverlässigkeit bürgten, wurde er vorzeitig freigelassen. In
Deutschland wandte er sich dann an die Öffentlichkeit. Denn seine
Strafe ist mit der Freilassung noch nicht beendet. Weil er jetzt in den
USA als vorbestraft gilt, kann er keine Pilotenausbildung in den USA
mehr absolvieren.

Nach Angaben des [3]Hessischen Rundfunks, der den Fall an die
Öffentlichkeit brachte, wurde Hossain El-Quariachi wegen seines
arabisch klingenden Namens im Zuge der Rasterfahndung schon vor dem
USA-Flug überprüft ( [4]Eene meene muh: Rasterfahndung in Deutschland -
Teil 1. US-amerikanische und deutsche Behörden seien bei Flugschulen
vorstellig geworden und sind so auf den Darmstädter aufmerksam
geworden. Doch die deutsche Kriminalpolizei hatte keine Bedenken und
stimmte der Ausreise des Darmstädters ausdrücklich zu.

Dass er dann doch Bekanntschaft mit den US-Gefängnissen machen musste,
liegt aber ganz im Kalkül der neuen Fahndungsmethoden. Schließlich ist
man ja nach der Theorie des extremistischen Schläfers, der plötzlich
zuschlägt, besonders auf der Suche nach politisch unauffälligen
Personen, die sich nie eines politischen Vergehens schuldig gemacht
haben. Wenn sie dann noch einen arabischen Namen tragen und in den USA
Flugunterricht nehmen wollen, sind sie wohl ein Fall für die Justiz

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