jungen Welt vom 31.12.2002 Sechs Jahre nach Botschaftsbesetzung in Lima:.

Straffreiheit fuer Schuldige unter den Militaers?
jW fragte Norma Velazco, Europasprecherin der Bewegung MRTA (Peru)
Interview: Peter Nowak

* Am 17. Dezember 1996 besetzte ein Kommando der peruanischen Bewegung Tupac Amaru (MRTA) die japanische Botschaft in Lima und nahm ueber 300 Geiseln. Vier Monate spaeter wurde die Besetzung durch ein Armee-Kommando blutig beendet. Die Europasprecherin der Bewegung MRTA lebt in Hamburg

F: Vor sechs Jahren warf die Aktion der MRTA ein Schlaglicht auf die Menschenrechtsverletzungen in Peru. Wie ist die Situation heute?

Nach Fujimoris Sturz gibt es einige positive Veraenderungen. So wurden mehrere hundert Gefangene freigelassen, die unter dem Fujimori-Regime ohne jeden Beweis inhaftiert worden waren. Doch noch immer gibt es ca. 3000 politische Gefangene. Auch fuer sie hat sich die Situation etwas verbessert. Ihre Isolationshaft wurde gelockert. Sie duerfen jetzt Besuch von Familienangehoerigen empfangen. Diese Hafterleichterungen haben sich die Gefangenen durch Hungerstreiks erkaempft.

F: Diskutiert man inzwischen auch ueber das blutige Ende der Botschaftsbesetzung?

Fujimori sollte wegen der Hinrichtungen in der japanischen Botschaft am 22. April 1998 angeklagt werden. Einige der Botschaftsbesetzer wurden vom Militaer erschossen, nach- dem sie sich ergeben hatten. Dafuer gibt es zahlreiche Zeugen. Sogar zwei Minister der Fujimori-Regierung haben mittlerweile bestaetigt, dass mindest zwei Guerilleros den Militaers lebend in die Haende gefallen sind. Auch mehrere Aerzte konnten nach der medizinischen Untersuchung der Toten beweisen, dass diese per Kopfschuss hingerichtet wurden. Nicht nur Fujimori, sondern auch den beteiligten Militaers drohte eine Anklage. Doch aus dem Prozess wurde nichts, in der staatlichen Propaganda sind sie weiterhin "heldenhafte Kaempfer gegen den Terrorismus".

F: Wie hat sich der Sturz Fujimoris auf die Arbeit der Menschenrechtsorganisationen in Peru ausgewirkt?

Zur Zeit ist die Situation sehr widerspruechlich. Das kann man am Fall von Marina Gamboa de Villar deutlich machen. Die Mutter des bekannten MRTA-Aktivisten Roberto Villar sass wegen Gruendung einer Angehoerigenorganisation unter Fujimori acht Jahre im Gefaengnis. Nach dem Ende des Fujimori-Regimes wurde sie freigelassen. Vor kurzem wurde die 65jaehrige erneut festgenommen, weil sie ihre Arbeit fuer die politischen Gefangenen fortsetzt.

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