TAZ vom 7.12.02Mythenwaschgang
Unten mit den Globalisierungskritikern, aber oho: Das AK-Kraak-Team zeigt
die Videos 22 und "Arme, reiche Welt"
Als im Sommer 1990 in Ostberlin fast täglich ein Haus besetzt wurde und die
Straßenfeste kein Ende nehmen wollten, gab es auch Leute, die das mit einer
Kamera und einem Mikrofon dokumentierten. Es war dies die Geburtsstunde von AK
Kraak. AK stand für aktuelle Kamera, Kraak ist das holländische Wort für
Hausbesetzung. Die Häuser waren bald geräumt oder legalisiert, doch AK Kraak
gibt es noch.

Nach einer 20-monatigen Pause hat das Kraak-Team gleich zwei Filmprojekte
fertig gestellt: Das Video 22 und das Video "Arme, reiche Welt". Im Video 22
findet man ein längeres Gespräch mit einem israelischen Kriegsdienstverweigerer
zur Situation im Nahen Osten. Es ist filmisch eher misslungen, aber
inhaltlich erhellender als jeder andere Beitrag aus Deutschland. Dann gibt es eine
Sequenz aus einem ostpolnischen Dorf. Bunthaarige AnarchistInnen aus Warschau
treffen sich mit polnischen Bauernfamilien und diskutieren die Folgen des
EU-Eintritts für die polnische Landwirtschaft. Der Film wurde im letzten Sommer
während eines antirassistischen Camps an der polnisch-weißrussischen Grenze
gedreht.

Das Video "Arme, reiche Welt" basiert auf dem Besuch eines Kraak-Duos beim
Weltsozialforum im brasilianischen Porto Alegre im Januar 2002. Hier führt man
in guter AK-Kraak-Manier den Mythos von der schönen, heilen linken Welt ad
absurdum. Bilder von jubelnden Fans des mittlerweile zum Präsidenten gewählten
brasilianischen Sozialdemokraten Lula werden mit der Festnahme von Punks aus
Porto Alegre kontrastiert. Der damals von Lulas Arbeiterpartei regierte
Bundesstaat Porto Alegre wollte den PolittouristInnen den Anblick der Punks nicht
zumuten. PETER NOWAK

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