jungen Welt vom 08.05.2002»In welcher Welt leben wir eigentlich?«
25. BUKO-Bundeskongreß berät über Internationalismus nach dem 11. September
Peter Nowak

»Internationalismus nach Seattle, Genua und dem 11.September«. Dieses Motto trägt der 25. Kongreß der Bundeskoordination Internationalismus (BUKO), der am Donnerstag an der Uni Frankfurt am Main beginnt. Bis zum Sonntag werden sich mehrere hundert Teilnehmer aus der gesamten Republik in Workshops, Arbeitsgruppen und Podiumsdiskussionen mit Problemen des Internationalismus und des Antirassismus beschäftigen. Die Bandbreite der Angebote reicht von den sozialen Kämpfen in Lateinamerika über den Stellenwert linker Organisierung und die Rolle des Internationalismus in der neuen Weltordnung. Schließlich ist unter Linken selbst die Frage strittig, ob man sich derzeit noch im Imperialismus befindet oder die Herrschaft des Empire angebrochen ist, wie nicht wenige mit Verweis auf das gleichnamige Buch des Autorenduos Toni Negri/Michael Hardt meinen. Auch darüber wird in Frankfurt/Main sicher gestritten werden. Schließlich steht gleich die Eröffnungsdiskussion am Donnerstag abend unter der Fragestellung »Globalisierung und Imperialismus oder: In welcher Welt leben wir eigentlich«.

Nicht weniger umstritten ist die Frage, welche Protestformen heute noch wirken. »Straßenprotest und Netzguerilla« heißt das Motto einer Podiumsdiskussion zu diesem Thema. Auch der Nahost-Konflikt wird diskutiert werden. Mit dem israelischen Historiker Moshe Zuckermann, dem Exiliraker und Politologen Sabah Alnasseri sowie der Geschäftsführerin der arabischen Frauenrechtsorganisation »Women against Violence«, Aida Tauma, ist das Podium hochkarätig besetzt. »Wir wollten eine innerdeutsche Selbstbespiegelung verhindern«, begründet Alexander Schudy von der BUKO-Geschäftsstelle die Auswahl der Referenten.

Auch bei der BUKO selbst gibt es Veränderungen. Die Abkürzung ist geblieben, doch der »Bundeskongreß entwicklungspolitischer Aktionsgruppen« hat sich nach 25 Jahren in die »Bundeskoordination Internationalismus« umbenannt. Der alte Name war in zweifacher Hinsicht überholt, so Schudy. So gibt es in der Internationalismusszene seit langem Kritik am Entwicklungsbegriff. Außerdem würden sich die meisten in der BUKO vertretenen Organisationen nicht mehr nur als Aktionsgruppe begreifen. Zum 25. Jubiläum hat sich die BUKO auch wieder stärker geöffnet. So zählen linke Organisationen zu den Mitveranstaltern, die bisher in der BUKO nicht vertreten waren.

Zu den Initiativen, die vom BUKO ausgehen, wird die Aufforderung zählen, sich an den Protesten gegen den Besuch des US-Präsidenten Georg W. Bush vom 21. bis 23. Mai in Berlin zu beteiligen. Dazu kommt der verstärkte Kampf gegen die Kriminalisierung, der die Antiglobalisierungsbewegung derzeit in verschiedenen Ländern ausgesetzt ist.

[Index] [Nowak] [Thematisch] [vor1999] [Chronologisch99] [Chronologisch 2000] [Chronologisch 2001] [Chronologisch 2002]