Anti-AKW-Gegner gegen Castorhalle in Lingen

Während Gorleben und Schacht Konrad seit Jahrzehnten Brennpunkte der Anti-AKW-Bewegung sind, stand das AKW Lingen  bisher eher im Windschatten der Protestbewegung. Das könnte sich jetzt ändern. Ausgerechnet das rot-grüne Lieblingsprojekt der dezentralen Atommülllagerung aktiviert die Anti-AKW-AktivistInnen im Emsland. Im Lingen soll das bundesweit erste standorteigene Zwischenlager für atomare Abfälle in einem noch aktiven AKW  errichtet werden. 

Die Kernkraft Lippe-Ems-GmbH hat den Antrag für den Bau der dazu erforderlichen Halle im letzten Dezember beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gestellt. Das nach dem Atomrecht notwendig Prozedere steht am 1.Oktober vor dem Abschuß. An diesem Tag endet die Frist für die Einwendungen.  Dann könnte alles sehr schnell gehen.  Weil für die Genehmigung zur Errichtung der Castorhalle die atomkraftfreundlichen Behörden von Lingen zuständig sind, die dazu nicht den Abschluß des atomrechtlichen Genehmigungsverfahrens abwarten müssen, rechnen AtomkraftgegnerInnen vor Ort mit einem Baubeginn noch in diesem Jahr.

Daran haben nicht nur die AtomkraftbetreiberInnen sondern auch die  Bundesregierung grosses Interesse. Schließlich wird die Errichtung von standortnahen Atommülllagern von rot-grünen-PolitikerInnen und AKW-BetreiberInnen als Alternative zu den unbeliebten und kostenaufwendigen Castortransporten favorisiert. Auch nach einem AKW-Ausstieg müsse der schon angefallene Atommüll irgendwo gelagert werden, argumentieren sie. “Solange ein Ausstiegbeschluß nicht vorliegt, wird es mit uns keine Diskussion über die Müllentsorgung geben”; umreißt Stefan Mathujssen die Position der örtlichen AKW-GegnerInnen. Die befürchten, daß sich die Atomwirtschaft mit der Lagerhalle eine langfristige Überlebensgarantie schaffen will. Schließlich sind in der geplanten Halle 130 Castorstellplätze des größtmöglichen Behältertyps vorgesehen, in denen Platz für abgebrannte Brennelemente aus 50 Jahren Reaktorbetriebs ist.

Doch ganz ohne Protest wird das auch im eher konservativen  Emsland nicht über die Bühne gegen. Die BI “Keine Castorhalle in Lingen”, die sich bisher auf das Sammeln von Einwendungsunterschriften beschränkte, plant für den kommenden Samstag einen ersten Aktionstag vor Ort. Den ganzen Tag über sollen rund um das AKW verschiedene Informations- und Protestaktionen stattfinden. Für Auswärtige UnterstützerInnen der bundesweit angelegten Aktion wurde ein Aktionscamp eingerichtet.

Mit einem Massenandrang wie in Gorleben oder Ahaus rechnet niemand. “Es geht uns darum, daß Thema Castorhalle und die Problematik der dezentralen Zwischenlagerung in der Region und in der bundesweiten Anti-AKW-Bewegung in die Diskussion zu bringen”; meint Mathujssen.

“Der Aktionstag soll der Auftakt für kontinuierliche Proteste sein”; betont er. Die  nächsten Protesttermine sind schon fest eingeplant. Auf der Ratssitzung in Lingen, auf der die Baugenehmigung beschlossen werden soll, wollen sich GegnerInnen Gehör verschaffen.  Ein weiterer Aktionstag am ersten oder zweiten Samstag nach Baubeginn der Halle ist in Planung.

Kontakt: Vernetzungstreffen Lingen, Jägerstr. 4, 49808 Lingen, Tel.: 0177/6290079

Peter Nowak

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