Nie mehr Mengele!

Seit fast 10 Jahren steht die Figur schon im Garten der Weissenseer Bildhauerin Franziska Schwarzbach. Dabei sollte sie auf dem Gelände des Klinikums Buch bei Berlin den dortigen Opfern der Hirnforschung zwischen 1939- 1945 gedenken. In den 80er Jahren wurden auf dem Gelände des Klinikums die Überreste von fast 3000 dieser Euthanasieopfer gefunden. Durch einen Zeitungsartikel wurde Frau Schwarzbach darauf aufmerksam. “Ursprünglich wollte ich das Porträt eines Wissenschaftlers des Klinikums modellieren. Doch nach dem Artikel beschloss ich, meine Arbeit den Opfern der Wissenschaft widmen.” Der Auftrag für das Mahnmal war vom zuständigen Professor Ganten mit der Auflage an die Künstlerin versehen, die notwendigen Sponsorenmittel, damals rund 40000 DM, selbst einzutreiben. Daß war der Beginn einer wahren Odyssee durch den Behördendschungel. Frau Schwarzbach hat ihn in mehreren Ordnern dokumentiert. “Wir bedauern, daß die Zweckbestimmung unserer Gelder eine Förderung ihres Projektes nicht zuläßt”; diese Antwort bekam Frau Schwarzbach auf ihre Eingaben sowohl vom Kunstfond in Bonn als auch vom Abgeordnetenhaus Berlin oder der Stiftung der Deutschen Klassenlotterie. “Innerlich hatte ich mich schon damit abgefunden, daß die Statue nicht mehr aufgestellt wird”; meint die Künstlerin. Doch die Diskussion der letzten Monate um die Ehrung der Euthanasieopfer hat ihr wieder Mut gegeben. “Ich will das Mahnmal an dem Ort der Täter aufstellen. Schon damit die jungen Akademiker daran erinnert werden, wie bitter der Eid des Hypokrates verletzt wurde und Wissenschaftler ihre Macht mißbrauchten.”

Peter Nowak

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