Blick nach Rechts 11/99,  Aktivitäten

Farbspielereien

Mitgliedschaft in einer demokratischen Partei beinhaltet nicht immer die entsprechende Gesinnung. Auch bei den Grünen schlichen sich U-Boote ein.

Die Bündnisgrünen verlieren in der letzten Zeit viele Mitglieder. Doch Bernhard Heldt, Irmgard Kohlhepp und Rudolf Sauer werden sie wohl keine Träne nachweinen. Der Hessische Rundfunk recherchierte, daß die drei Ex-Mitglieder der Ökopartei jahrelang rechtsextremes Gedankengut vertreten haben.

Bekannt wurden die rechten Umtriebe nach der Auflösung der Geschichtswerkstatt Hessisch-Lichtenau, die sich eigentlich den ehemaligen jüdischen Zwangsarbeitern einer Munitionsfabrik in Hirschhagen, einem Ortsteil von Hessisch-Lichtenau, widmen wollte. Nach längeren Querelen mit ultrarechten Mitgliedern löste sich der Verein im letzten Jahr selbst auf. Zu den rechten Protagonisten gehörte die Vereinsvorsitzende Kohlhepp und der stellvertretende Vorsitzende Sauer. Vor seiner Mitgliedschaft bei den Bündnisgrünen reüssierte der Biochemiker Sauer ebenso wie Heldt bei den Republikanern. Nach Angaben der "Frankfurter Rundschau" hat sich Sauer mehrmals als Auschwitzleugner hervorgetan. "Ich bin nach wie vor der Meinung, daß es in Auschwitz keine Gaskammern gegeben hat", wird aus dem Protokoll des Geschichtsvereins zitiert. An Bundespräsident Herzog schrieb er per Internet: "Wenn Du schon so unter den unsühnbaren Verbrechen im Dritten Reich leidest, dann geh doch konsequenterweise nach Auschwitz und laß Dich sühnevergasen". Makabrer Höhepunkt von Sauers Aktivitäten war seine Reise zu einer KZ-Überlebenden in Budapest. Dort soll er nach Angaben der FR die Theorien des notorischen Auschwitzleugners Fred Leuchter verteidigt haben. Danach mußte die von den Nazis verfolgte Frau mit Blaulicht ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Während der hessische Landesverband der Bündnisgrünen Ende Mai einen Ausschlußantrag gegen Sauer einreichte, kann er gegen seine Gesinnungsfreunde Heldt und Kohlhepp nicht vorgehen. Die waren nämlich bis zum 30. April Mitglieder beim Berliner Landesverband. "An diesem Tag wurden die beiden wegen säumiger Mitgliedsbeiträge aus unseren Mitgliederlisten gestrichen"; erklärte Werner Hirschmüller vom Berliner Landesvorstand der Bündnisgrünen. Bei der Streichung habe es sich um eine Routinemaßnahme gehandelt, von der noch etwa 100 weitere Parteimitglieder betroffen gewesen seien. Von den rechten Umtrieben von Heldt und Kohlhepp sei der Berliner Landesverband erst in den letzten Tagen durch die hessischen Parteifreunde informiert worden, so Hirschmüller.

Berliner Antifaschisten hingegen sind Heldts rechte Aktivitäten seit Jahren bekannt. So habe er seit Jahren die Schriften des antisemitischen Zinsgeldtheoretikers Silvio Gesell verkauft. Im letzten Jahr waren der von Heldt mitbegründeten "Association Liberal Sociale Ordnung" (ALSO) die Räume im Haus der Demokratie, einer Zentrale der DDR-Bürgerrechtsbewegung, gekündigt worden, weil die Organisation in der rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit" für ihre Gründungsveranstaltung warb und Referenten aus dem rechtextremen Spektrum, wie Albert Lämmel, auch Autor in der NPD-Zeitschrift "Deutsche Stimme", eingeladen hatte. In der Einladung zur Gründungsversammlung wandte sich die ALSO "gegen parasitäre Kartell- und Monopolinteressen..., weil sie dem Grundverständnis nationaler Souveränität entgegenwirken".

Auch beim "Bündnis für Volksabstimmung" (BfV) ist Heldt an führender Stelle aktiv. Bei der Gründungsveranstaltung im Januar 1998 trat neben dem Ökorechten Baldur Springmann auch das damalige Mitglied des Bund freier Bürger Karl Albrecht Schachtschneider auf. Zu einer Veranstaltung in Kassel wurde Horst Mahler, mittlerweile Hans-Dampf auf allen rechten Hochzeiten, eingeladen. Die Veranstaltung stand unter dem Motto: "Für unser Land! Für eine Nationalversammlung! Gegen Überfremdung!"

Peter Nowak

[Index] [Nowak] [Thematisch] [vor1999] [Chronologisch99] [Chronologisch 2000] [Chronologisch 2001] [Chronologisch 2002]