taz vom 26.11.2001Hand in Hand gegen AKW
Russische und deutsche Aktivisten planen Widerstandscamp in Westrussland
LEIPZIG taz Anti-AKW-Aktivisten aus Deutschland und Russland planen ein
gemeinsames Widerstandscamp an einem russischen Atomkraftwerk. Die Aktion soll
voraussichtlich im Juli 2002 an einem Standort in Westrussland stattfinden,
hieß es während der Herbstkonferenz der Anti-AKW-Bewegung in Leipzig am
vergangenen Wochenende. 150 Leute waren gekommen.

Die Gruppe Ecodefense aus Dresden hat mit der Einladung russischer
Anti-AKW-AktivistInnen ein neues Betätigungsfeld aufgetan. Alissa Nikulina und
Vladimir Slivyak berichteten, wie in der letzten Zeit die gesetzlichen Grundlagen
für Atommülleinlagerungen in Russland geschaffen wurden. Die Teilnahme des
damaligen russischen Atomenergieministers bei einer Tagung des Deutschen
Atomforums im Mai 2001 in Dresden zeigt nach Meinung der Dresdener AKW-GegnerInnen
das große Interesse deutscher Energiekonzerne am russischen Markt. Die
russischen AktivistInnen warben nun für eine Ausweitung des Widerstandes. "Wir haben
viel vor der deutschen Anti-AKW-Bewegung gehört, und wollen sie mal vor Ort
sehen", schmeichelte Slivyak den Zuhörern.

Insgesamt war die Stimmung in Leipzig jedoch nicht zum Besten. Es wurde
beklagt, dass wenig jüngere Aktivisten gegen den jüngsten Castortransport
mobilisiert werden konnten. Die Anti-Atom-Arbeit sei teilweise in den Windschatten
der globalisierungskritischen Bewegung und der Anschläge vom 11. September
geraten. PETER NOWAK

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