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junge Welt04.05.2001Einzelhaft in Stammheim Türkische und kurdische Menschenrechtsaktivisten im Hungerstreik _________________________________________________________________
»Kein Stammheim-Export in die Türkei« lautet seit mehreren Monaten das Motto türkischer und deutscher Menschenrechtsaktivisten, die gegen die Einführung der Isolationshaft in der Türkei kämpfen.
Nun machen seit dem 20. April türkische und kurdische Aktivisten einen unfreiwilligen »Besuch« in Stammheim. An diesem Tag besetzten sie die Stuttgarter SPD-Zentrale mit der Forderung, daß von dort eine Protestresolution gegen die Zustände in den türkischen Gefängnissen an die türkische Regierung gefaxt wird. Sie wollten damit den anhaltenden Widerstand türkischer politischer Gefangener gegen die Isolationszellen unterstützen.
In diesen Tagen begann in türkischen Gefängnissen das Massensterben von hungerstreikenden Gefangenen und Angehörigen. Mittlerweile sind 15 Gefangene und sieben Mitglieder der Angehörigenorganisation Tayad gestorben.
In vielen anderen Städten der Bundesrepublik waren solche Protestaktionen nach wenigen Stunden ohne größere Komplikationen beendet. Nicht so in Stuttgart: Weil die SPD Strafanzeige stellte, wurden nach dem Ende der friedlich verlaufenen Aktionen nicht nur die Besetzer der Parteizentrale, sondern auch Unterstützer festgenommen, die sich vor dem Parteigebäude aufgehalten und das Gebäude nicht betreten hatten. Drei Personen wurden nach wenigen Stunden freigelassen, weil sie das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten. Gegen 19 Aktivisten wurde Haftbefehl erlassen. Sie wurden in die berüchtigte Haftanstalt nach Stuttgart-Stammheim gebracht, wo sie in Einzelzellen sitzen.
Am 28. April begannen die ersten Prozesse im Schnellverfahren, die mit zur Bewährung ausgesetzten Haftstrafen zwischen vier und fünf Monate endeten. Daraufhin wurden fünf Menschenrechtler freigelassen. In den nächsten Tagen sollen weitere Schnellverfahren stattfinden. Aus Protest gegen ihre Kriminalisierung und aus Solidarität mit den politischen Gefangenen in der Türkei sind die Menschenrechtler in einen befristeten Hungerstreik getreten. Mittlerweile gibt es auch Unterstützung von deutschen Linken für die Festgenommen. So ruft das Nürnberger »Bündnis für internationale Solidarität« dazu auf, Protestfaxe an die SPD und die Staatsanwaltschaft von Stuttgart zu schicken, in denen die Freilassung der Festgenommen und die Rücknahme der Strafanzeigen gefordert wird.
Peter Nowak |