taz 8.9.2001Jung und rechts
Pünktlich zum neuen Schuljahr haben Schüler aus Greifswald, Waren und
Stralsund eine neue Schülerzeitung in die Hände gedrückt bekommen. "PC - Nein
Danke" heißt es auf dem Titelblatt des Greifswalder Sprachrohrs, Untertitel "Die
Schülerzeitung für Greifswald und Mecklenburg-Vorpommern".

Klickt man auf die Homepage der Zeitung, wird schnell deutlich, dass die
Herausgeber, eine "Schülerinitiative für freie Meinungsäußerung und -bildung" im
rechten Spektrum beheimatet sind. "Kein Spielraum für Kinderschänder!!!"
lautet eine Überschrift. Mit Verweis auf den Tod der 12-jährigen Ulrike Brandt
in Eberswalde wird die angebliche Milde gegenüber den Tätern angeprangert.
"Rechtzeitige Aufmerksamkeit auf die Veranlagung dieser Person (des Täters P.
N.) hätte die Gesellschaft vor diesem Monster in Menschengestalt vielleicht
schützen können", heißt es in offen rechter Diktion. Noch deutlicher wird die
politische Stoßrichtung beim Thema "Flüchtlinge". So wird vermeldet, Mitglieder
der Initiative hätten im Dezember zirka 1.000 Unterschriften "Gegen Gewalt
und den Zuzug ausländischer Mitbürger" gesammelt. Und eine Laufschrift auf der
aktuellen Homepage informiert, dass die Schülerinitiative im Dorf
Karlsburgen 50 Unterschriften gesammelt habe.

Tatsächlich handelt es sich bei der Initiative um eine NPD-Tarnorganisation,
die auf diese Weise ihre rechten Parolen unter jungen Menschen verbreiten
will. Nachdem sich die Zeitungsmacher gerühmt hatten, dass sie ihre Zeitung zu
Schulbeginn problemlos verteilen konnten, beklagen sie nun, dass Leser von
Lehrern und Schuldirektoren unter Druck gesetzt worden seien. Sie beschweren
sich über "Zensurmaßnahmen wie in der DDR" und "linken Meinungsterror".
Mittlerweile hat auch die örtliche Presse hinter den Herausgebern die NPD erkannt
und vor einer rechten Indoktrination der Schüler gewarnt. Diese Vorwürfe werden
vom Greifswalder Sprachrohr nicht bestritten. "Die NPD hat der
Schülerinitiative angeboten, sie materiell und bedingt auch finanziell zu unterstützen,
was auch dankbar aufgenommen wurde", heißt es.

Mit dem freien Mitarbeiter Lutz Dessau will die NPD wohl journalistische
Entwicklungshilfe geben. Dessau war kürzlich als Sportreporter der Norddeutschen
Neuesten Nachrichten (NNN) wegen seiner NPD-Mitgliedschaft entlassen worden.

PETER NOWAK

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