jungen Welt vom 14.11.2001Nürnberger Spezialitäten
Am vergangenen Wochenende traf man sich in Bayern zur sechsten Linken Literaturmesse
Peter Nowak

Am vergangenen Wochenende zog die sechste Linke Literaturmesse im K4 wieder einige hundert Besucher aus der gesamten Republik an. Auf den Treppen und im Foyer des Hauses stapelten sich Flugblätter und Plakate zu den aktuellen Themen linker Gruppen in der Bundesrepublik. Zu diversen Antifademos wurde ebenso mobilisiert wie zur Castorblockade und zur Demo gegen den Krieg gegen Afghanistan. Viele wollten sich nur mit linken Informationen gegen den Zeitgeist eindecken, wie eine Gruppe junger Antifaschisten aus Sulzbach-Rosenheim: »Für uns ist diese Messe wichtig, um mitzubekommen, was gerade in der Linken diskutiert wird.«

Zum Großteil waren es kürzlich veröffentlichte Bücher mit linker Thematik, die in Nürnberg vorgestellt wurden. Die Gruppe Magma stellte ihre Thesen über die Politik der KPD in der Weimarer Republik zur Diskussion. Jürgen Heiser präsentierte ein neues Buch des in der Todeszelle sitzenden afroamerikanischen Journalisten Mumia Abu-Jamal und informierte über die aktuelle besorgniserregende Entwicklung des von seinen Anwälten angestrebten Wiederaufnahmeverfahrens. Aus dem Internationalismusbereich wurden Bücher über den schon weitgehend vergessenen Universitätsstreik 1999 in Mexiko und über die mehr als ein Jahr dauernden Gefangenenkämpfe in der Türkei präsentiert. Schwerpunkt war allerdings – wie könnte es angesichts der aktuellen politischen Entwicklung anders sein – die Frage von Krieg und Frieden, die am Wochenende in Nürnberg durchaus kontrovers diskutiert wurde. Die antideutschen Ideologiekritiker von der Freiburger Initiative Sozialistisches Forum (ISF) sezierten die deutsche Friedensbewegung mit dem programmatischen Titel »Dschihad und Werwolf«. Andere Akzente setzte der PDS-Bundestagsabgeordnete Winfried Wolf mit seinem Vortrag zum militärisch-industriellen Komplex heute. Der Nürnberger Wertkritiker Robert Kurz referierte über den »Kreuzzug des Imperiums«. Sein Vortrag ist die Vorarbeit zu einem neuen Buch, das in den nächsten Monaten erscheinen soll. Eher kabarettistisch setzte sich das Duo Thomas Ebermann/Rainer Trampert mit dem neuen Kriegsgeschrei in Deutschland auseinander. Neben Autoren nutzten auch linke Initiativen die Literaturmesse, um ihre Thesen zur Globalisierung, zum Rassismus und zu neuen Medien vorzutragen, im Begleitprogramm wurden linke Filme angeboten.

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