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Blick nach Rechts vom 14.4.01Für "Heimatschutz" Peter Nowak
Nur auf den ersten Blick ist die Beteiligung von Neonazis an Anti-AKW-Protesten erstaunlich.
Die Proteste gegen die jüngsten Castor-Transporte in das Zwischenlager waren gerade vorbei, da gab es erneut Aufregung im Wendland. Unter dem Motto "Umweltschutz ist Heimatschutz" und "gegen Castor-Transporte und linke Gewalt" demonstrierten am 7. April rund 150 Neonazis aus dem Umfeld der Jungen Nationaldemokraten (JN) und der so genannten Freien Nationalisten in der Innenstadt von Uelzen. Anmelder des von der Polizei weiträumig abgeschirmten Aufmarsches war der Hannoveraner JN-Funktionär Benjamin Poleck. Als Redner traten die bekannten Neonazis Thomas Wulff und Peter Borchert, der kürzlich als NPD-Landesvorsitzender von Schleswig-Holstein gewählte wurde, auf.
Beim Abmarsch der Neonazis kam es auf dem Bahnhof von Uelzen noch zu Auseinandersetzungen mit Antifaschisten. Zuvor hatten sich mehr als 1000 Menschen an einer vom Bündnis "Uelzen gemeinsam gegen Rechtsextremismus" organisierten Gegendemonstration beteiligt. Dort reihten sich viele der Menschen ein, die sich Ende März noch den Castor-Transporten entgegengestellt hatten. "Wir werden uns den Neonazis genauso konsequent entgegenstellen wie dem Castor", erklärte Mitte März der Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg Wolfgang Ehmke. Damals hatten via Internet die Freien Nationalisten zu Aktionen gegen den Castor-Transport mobilisiert, um sich "mit den bodenständigen Bauern und Bürgern" im Wendland zu solidarisieren. Für kurze Zeit geisterte das Schreckensszenario durch die Medien, dass es neben den Auseinandersetzungen um den Castor-Transport Scharmützel mit den Rechten geben könnte. Der Sprecher des Uelzener Bündnisses erklärte, dass sich die Neonazis mit ihrer Mitteilung nur in die Medien katapultierten wollten, aber wie bei ähnlichen Ankündigungen zu den Anti-Expo-Protesten nicht vor Ort sein würden. Ganz stimmte das allerdings nicht. Am 20. März rasten zwei in der Region bekannte Neonazis mit einem Auto, an dem eine Reichskriegsflagge befestigt war, in eine Anti-Castor-Demonstration und verletzten eine Person schwer. Die Freien Nationalisten distanzierten sich von der Aktion und bezeichneten die Amokfahrer als "asoziale Trunkenbolde".
Doch rechte Angriffe gegen AKW-Gegner sind schon länger bekannt. So wurden AKW-Gegner im brandenburgischen Rheinsberg im Sommer 1999 von einheimischen Neonazis bedroht. Für die für Mitte Mai angekündigten Castor-Transporte von Rheinsberg ins Zwischenlager Greifswald/Lubmin haben Neonazis sogar Schutz vor Protesten angekündigt. In dieser Region allerdings unterstützt die große Mehrheit die Castor-Transporte, anders als im Wendland. Doch auch dort unterscheiden die Neonazis zwischen "auswärtigen linken Chaoten" die die Region unterwandern würden und den angeblich bodenständigen Wendländern, die sich nach der rechten Lesart mit ihren Protesten gegen die "Verseuchung des Grund und Bodens durch den Atommüll" wehren.
Nur auf den ersten Blick muss es überraschen, dass die Rechten die Anti-AKW-Proteste unterstützen. Wie Oliver Geden in seinem im Elefantenpress-Verlag erschienenen Buch "Rechte Ökologen" nachweist, hatten in der sich Ende des 19. Jahrhunderts formierenden Ökologiebewegung völkische Strömungen schon von Anbeginn einen starken Einfluss.
Auch in die im Zuge der neuen sozialen Bewegungen in Westdeutschland entstandene Umweltbewegung wirkten verschiedene rechte Strömungen von Beginn an hinein. So wurden beispielsweise in Rheinland-Pfalz Ende der 70er Jahre Grüne Listen unter führender Beteiligung der NPD gegründet. Den Westberliner Landesverband der Grünen löste die Bundespartei wegen rechter Umtriebe auf. Schon Anfang der 80er Jahre beteiligten sich die militanten Neonazis der Wehrsportgruppe Hoffmann in Uniform an Protesten gegen das Atomkraftwerk Brokdorf. Damals interessierte sich allerdings kaum jemand für die Kämpfer für die Reinheit von deutschen Blut und Boden.
Im rechten Wochenblatt "Junge Freiheit" schreibt Anfang April eine "Lydia" über ihre Aktivitäten als "rechte Atomkraftgegnerin" im Wendland. Vielleicht sind ihre Sorgen über eine mögliche Enttarnung übertrieben. In der gleichen Ausgabe der "Jungen Freiheit" äußern sich auch zwei bekannte Politiker der Bündnisgrünen, der Bundestagsabgeordnete Albert Schmidt und der niedersächsische Landtagsabgeordnete Enno Hagenah, kritisch zum Atomkurs ihrer Partei. |