taz Berlin lokal Nr. 6487 vom 4.7.2001 Auf nach Genua

Bündnis will mindestens 500 Globalisierungsgegner
nach Genua bringen. PDS ist wegen Beteiligung in der Kritik
"Amsterdam, Köln, Seattle, Prag, Nizza, Göteborg
und in wenigen Wochen Genua markieren den Aufschwung der
Antiglobalisierungsbewegung." So optimistisch hat Sascha
Kimpel vom Euromarschbündnis gestern im Kreuzberger
PDS-Büro die Pressekonferenz begonnen. Dort stellte
sich das Berliner Bündnis gegen den Weltwirtschaftsgipfel in
Genua vor.
Das Bündnis will vom 18. bis 22. Juli mindestens 500 Menschen
aus Berlin per Bus nach Genua bringen. Doch es geht
nicht um eine alternative Reiseveranstaltung, wie Michael
Prütz von der PDS-Kreuzberg betonte. Vielmehr soll der Widerstand
gegen den in der norditalienischen Stadt tagenden
Weltwirtschaftsgipfel unterstützt werden. Die Gründe reichen von der
Schuldenstreichung für die 3. Welt bis zur Ablehnung des
Gatt-Abkommens. Doch erwartungsgemäß richtete sich das
Interesse der Presse eher auf die Frage, wie man es
mit der Gewalt halte. Gerade die PDS ist in den letzten
Tagen sowohl von Bundesinnenminister Schily als auch von Teilen der
Hauptstadtpresse heftig wegen ihrer Unterstützung
der Proteste in Genua kritisiert worden. Die Brandenburger CDU
fordert gar die Beobachtung der PDS durch das Landesamt für
Verfassungsschutz. "Wir unterstützen weiterhin die
gewaltfreien Proteste nach Genua", sagt Prütz zur Linie seiner
Partei. In den Angriffen sieht er Versuche, eine mögliche
Regierungsbeteiligung der PDS in Berlin zu verhindern.

In der Bekräftigung der gewaltfreien Proteste war
man sich im Bündnis einig. Nicht aber beim Verhältnis zum
militanten Widerstand. Während Prütz einen klaren
Trennungsstrich ziehen wollte, warnte Clara Stattegger von der Gruppe
Linksruck vor einer Spaltung der Bewegung in Gewaltfreie und
Militante.
PETER NOWAK

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