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junge Welt13.02.2001 Gefangener in Fußfesseln In der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel wird ein Somalier seit zwei Monaten wie ein Tier gehalten _________________________________________________________________
»Das ist Sklavenhalterei in schlimmster Form«, sagt der Vorsitzende der Strafverteidiger-Vereinigung, Rüdiger Portius. Auch die Sprecherin von Amnestie International (ai), Iris Schneider, fühlt sich an die Zeiten der Sklaverei erinnert. Was den Juristen und die Menschenrechtlerin so empört, ist die Behandlung eines 46jährigen Somaliers in der JVA Tegel in Berlin. Der anerkannte Asylbewerber muß dort seit dem 10. Oktober 2000 eine mehrmonatige Freiheitsstrafe absitzen. Seit dem 15. Dezember ist er mit einem Lederriemen am Fuß an ein in den Zellenboden eingelassenes Betonbett gefesselt. Die Gefangenenvertretung der JVA Tegel, die diesen Fall an die Öffentlichkeit gebracht hat, sprach gar davon, daß der Somalier »wie ein Tier an einem Laufriemen festgekettet gehalten« werde und daß die Wärter dabei auch »mit brutalster körperlicher Gewalt« vorgehen.
Ein Justizsprecher wies letzteres zurück. Nach einen Bericht der taz gab es nach dem Gang in die Öffentlichkeit Schikanen und Verlegungen gegen mehrere in der Gefangenenvertretung aktive Personen. Die Fesselung wird damit begründet, daß diese Zwangsmaßnahme die einzige Möglichkeit sei, um einen »notorischen Vollzugsstörer« ruhigzustellen. Mit der »Fixierung« soll der Gefangene daran gehindert werden, an die Tür zu schlagen. So habe der Mann am 22. November »über Stunden und Tage gegen die hölzerne Tür seines Haftraums« getreten. Vorher habe man den Somalier psychiatrisch untersuchen lassen, um einen etwaigen Vollzugsaufschub zu prüfen. Der Gutachter sei allerdings zu dem Schluß gekommen, daß es sich bei dem Mann um einen »fanatischen Ruhestörer« handelt.
Doch seit Bekanntwerden des Falles haben Menschenrechtsorganisationen, Juristen und Ärzte heftige Kritik an diesem Vorgehen geäußert. Die Grünen wollen den Fall im Rechtsausschuß des Abgeordnetenhauses zur Sprache bringen. Flüchtlingsgruppen betonen die rassistische Komponente des Falls und betrachten es nicht als Zufall, daß ein Afrikaner unter diesen unwürdigen Bedingungen in Haft gehalten wird. Sie bemängeln, daß sich niemand mit dem Schicksal des Mannes in Somalia auseinandergesetzt hat.
Die Gefängnisleitung reagierte auf die Kritik unterschiedlich. Einerseits wurden letzten Freitag verschiedene Menschenrechtsorganisationen ins Gefängnis eingeladen, um sich selbst ein Bild von der Situation des Gefangenen zu machen. Andererseits erklärte Justizsprecher Sascha Daue, daß der Gefangene, wenn er sein Verhalten nicht ändert, bis zum Ende seiner Strafe im August gefesselt in seiner Zelle bleiben muß.
Peter Nowak |