TAZ vom 16.7.01Bayer würgt kritische Homepage ab
Konzerngegner dürfen nicht mehr unter "www.bayer-watch" informieren. Bayer:
Verletzung des Namensrechts
BERLIN taz Die Bayer AG ist sehr um interessierte Internetnutzer bemüht.
Auf ihrer Homepage (
www.bayer.de) kann man sich durch die einzelnen Abteilungen
des weit verzweigten Unternehmens klicken und sogar einen eigenen Bayer-Song
runterladen. Mit dem kritischen Blick auf die eigene Arbeit tut sich das
Unternehmen dagegen schwer: Der Konzern hat jetzt die unabhängige "Coordination
gegen Bayer-Gefahren" (CBG) gezwungen, ihre Internetseite "www. bayer-watch"
abzuschalten. "Wir mussten uns unter Androhung einer Strafe von 100.000 Mark
verpflichten, den Namen nicht mehr zu verwenden und ihn auch nicht mehr zu
nennen", sagt Philipp Mimkes von der CBG. Die hohen Verfahrenskosten hätte der
Verein nicht tragen können.

Mit einer zweiten Klageandrohung gegen das CGB-Vorstandsmitglied Axel
Köhler-Schnura erzwang das Unternehmen auch die Löschung der entsprechenden Marke.
Er hatte den Titel beim Patentamt München erfolgreich schützen lassen. Der
CBG betonte, dass die Schließung nur wegen der existenzbedrohenden
Strafandrohung vollzogen wurde, die Inhalte der inkriminierten Internetseite aber
weiterhin verteidigt würden.

Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich das Netzwerk mit den Schattenseiten
des Weltkonzerns aus Leverkusen. Die CBG beschäftigte sich mit dem Kampf für
die Entschädigung von Zwangsarbeitern, die in der Nazi-Zeit bei Bayer
arbeiten mussten, mit internationalen Aktionen zur Ächtung gefährlicher
Bayer-Produkte und engagierte sich für die sozialen Belange der Beschäftigten.

Axel Köhler-Schnura wirft dem Konzern undemokratisches Gebahren vor. "Das
Verhalten von Bayer, das auf den wirtschaftlichen Ruin des Netzwerkes und
meiner Person abzielt, ist ein klarer Verstoß gegen demokratische Prinzipien und
Meinungsfreiheit. Der Konzern fürchtet offensichtlich die öffentliche
Auseinandersetzung."

Die Bayer-AG bestreitet das. Für sie handelt es sich um eine Verletzung des
Namensrechts. Eine Verwechselungsgefahr mit der firmeneigenen Bayer-Homepage
konnte nicht ausgeschlossen werden, erklärte ein Firmensprecher. Doch auf den
kritischen Blick auf Bayer im Internet wird man auch in Zukunft nicht
verzichten müssen. Der kritische Blick auf Bayer findet sich jetzt unter
www.CBnetwork.de.

PETER NOWAK

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