taz 12.5.2001Umtauschaktion

Das Antidiskriminierungsbüro geht einkaufen, zahlt
mit Chipkarten von Flüchtlingen und gibt ihnen
Bargeld

"Bringt Rucksäcke und Geld mit" - eine etwas
ungewöhnliche
Aufforderung am Ende eines Demonstrationsaufrufs.
Doch die
von dem Berliner Antidiskriminierungsbüro und der
"Initiative
Konsumfürfreiesfluten" gestern Nachmittag
initiierte Aktion war
auch nicht alltäglich.

Zunächst versammelten sich etwa achtzig Personen,
davon
zwanzig Flüchtlinge, zu einer Kundgebung vor einem
Extra-Markt in der Potsdamer Straße.
Flüchtlingsinitiativen und
antirassistische Gruppen kirtisierten, dass viele
Berliner
Bezirksbehörden Flüchtlingen statt Bargeld nur noch
Gutscheine
und Chipkarten ausgehändigen.

Da diese nur in wenigen Läden akzeptiert werden,
entstehen den
Flüchtlingen regelmäßig hohe Fahrtkosten. Es gibt
auch keine
Restgeldrückgabe. Gleichzeitig bekommen die
Sozialämter eine
genaue Auflistung aller Einkäufe.

"Die Chipkarte wird zum totalen Kontrollinstrument,
das nach
Gutdünken von Sachbearbeitern gesperrt werden
kann", lautete
die Kritik. Profitieren würde davon allein das
Unternehmen
Infracard, welches Terminals an die Läden verkauft
und die
Chipkarten herstellt. Es bekommt zwei bis drei
Prozent des
Umsatzes.

Nach der Kundgebung gingen die DemonstrantInnen im
Supermarkt antirassistisch shoppen. Sie bezahlten
ihre Einkäufe
mit den Chipkarten und zahlten den Flüchtlingen das
Geld aus.

PETER NOWAK

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