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junge Welt17.09.2001Angriff auf Widerstandshäuser Türkisches Militär ging gegen Todesfastende in Armutlu vor _________________________________________________________________
Im Windschatten der Anschläge in New York und Washington hat die türkische Regierung ihren eigenen Beitrag zur von US-Präsident George Bush propagierten Terroristenbekämpfung geleistet. Am Samstag belagerten schwerbewaffnete Spezialteams von Polizei und Militär das Istanbuler Armenviertel Armutlu. Dort beteiligen sich mehr als 20 Mitglieder der Angehörigenorganisation Tayad zusammen mit aus gesundheitlichen Gründen für ein halbes Jahr aus der Haft entlassenen Gefangenen seit mehreren Monaten am öffentlichen Todesfasten. Damit wollten sie den Kampf von Tausenden politischen Gefangenen unterstützten, die seit dem 20. Oktober 2000 in einen später zum Todesfasten umgewandelten Hungerstreik sind.
Hauptziel diese Aktion war die Verhinderung der Einführung der in der Türkei F-Typ genannten Isolationszellen. Ende Dezember hatten Polizei und Militär in einer großangelegten Militäraktion die Gefängnisse gestürmt und die Insassen zwangsweise in die Isolationstrakte verlegt. Dabei kamen 28 Gefangene ums Leben. Jetzt befürchten die Angehörigen wieder Massaker in Armutlu. Die Bewohner des als Hochburg der Linken geltenden Stadtteils haben mit dem Bau von Barrikaden auf die Militärangriffe reagiert.
Nach Angaben des Komitees gegen die Isolationshaft (IKM) und des Tayad-Solidaritätskomitees wurden mehrere Bewohner durch Gewehrkugeln und Gasbomben schwer verletzt sowie bei der Barrikadenräumung von Panzern überfahren. Zuvor wurden 150 Personen festgenommen, die an der Beerdigung von Umus Sahingöz teilnehmen wollten, die kürzlich im Todesfasten gestorben war.
Der Angriff auf die auch Widerstandshäuser genannten Domizile der Todesfastenden kommt nicht überraschend. Schon Mitte August wurde eine Todesfastende aus Armutlu verschleppt. Damals mußte sich das Militär allerdings zurückziehen, nachdem es auf heftigen Widerstand stieß.
Peter Nowak |