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Erfolgreich gehungert Neues Deutschland vom 19.20.8. Türkin bekommt neue Identität und unbekanntes Neuland Auf einmal ging alles sehr schnell. Donnerstagmorgen wurde die türkische Linke Fehriye Erdal aus dem belgischen Gefängnis entlassen. Nach einem 36tägigen Hungerstreik befand sie sich in schlechter gesundheitlicher Verfassung. Belgische Menschenrechtsorganisationen hatten in den letzten Tagen Alarm geschlagen, nachdem der behandelnde Arztjederzeit mit ihrem körperlichen Kollaps gerechnet hat. Die aus der Türkei stammende Endzwanzigerin wurde am 26.9.1999 im belgischen Seebad Knokke festgenommen. Zunächst wurde ihr nur Urkundenfälschung und der Besitz von nicht angemeldeten Waffen vorgeworfen. Doch bald traf ein Auslieferungsantrag aus der Türkei in Brüssel ein. Die türkischen Behörden werfen Erdal vor, Mitglied der auch bewaffnet kämpfenden kommunistischen DHKP-C (Volksbefreiungspartei - Front) zu sein und in den 90er Jahren an militanten Aktionen in Istanbul beteiligt gewesen zu sein. In den türkischen Medien wurde ihre Festnahme als großer Schlag gegen den Terrorismus interpretiert und gar mit der Verhaftung des PKK-Vorsitzenden Öcalan verglichen. Doch Menschenrechtsgruppen wie Peoples Rigths Watch intervenierten bei der belgischen Regierung. In der Türkei bestehe für Erdal Lebensgefahr, so ihre Befürchtung. Die Organisaton erinnerte daran, dass schon häufiger in türkischen Gefängnissen politische Gefangene von Angehörigen der Mafia ermordet worden seien. Im Mai dieses Jahres lehnte das belgische Justizministerium das türkische Auslieferungsersuchen aus juristischen Gründen ab. Bei dem Fall Erdal handle es sich sich um ein politisches Delikt, das nach der belgischen Verfassung eine Auslieferung unmöglich macht. In dem türkischen Haftbefehl wurden Erdal "der versuchte gewaltsame Umsturz der türkischen Verfassung" vorgeworfen. Die türkische Justiz kündigte umgehend Revision gegen die Entscheidung an. Der türkische Justizminister Hikmet Sami Türk erklärte offen, dass er die belgische Regierung doch noch umstimmen werde. Die Presse sekundierte ihm, in dem sie Belgien vorwarf, sich zu einem Ruheraum für Terroristen innerhalb der EU zu entwickeln. Der Druck scheint schien zu wirken. Mit der Begründung, sie würde die belgische Sicherheit gefährden, lehnte die belgische Justiz Erdals Freilassung ab. Weil sie befürchtet, doch noch in die Türkei abgeschoben zu werden, trat Erdal am 14.Juni in den unbefristeten Hungerstreik. "Ich fordere ein Ende dieser Willkür und meine sofortige Freilassung"; schrieb sie in ihrer Erklärung. Nachdem der Hohe Flüchtlingskommissar der UN und die belgische Ausländerbehörde erklärt hatten, Erdals Freilassung sei nach den belgischen Gesetzen geboten, gab die belgische Regierung jetzt nach. In Belgien wird Erdal allerdings nicht bleiben. Sie soll mit einer neuen Identität in ein noch geheim gehaltenes Land abgeschoben werden. Das dient zu ihrer Sicherheit, betonten Menschenrechtsgruppen. Wie der Fall Öcalan zeigte, wird der türkische Geheimdienst grosses Interesse an Erdals neuen Aufenthaltsort haben. Peter Nowak |
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