Expo-Widerstand kommt in Fahrt   Neues Deutschland, 9.3.2000

    Unerwünschte Bündnispartner von Rechts

    "Weltausstellungsgegner wollen die Eröffnung der Expo verhindern"; meldete die Hannvoversche Allgemeine Zeitung Mitte Januar. Auch der Verfassungsschutz äußerst seit Wochen Besorgnis über das zunehmende Interesse linker Gruppen am Widerstand gegen die am 1.Juni beginnende Weltausstellung Expo in Hannover.

Sie werden sich am vergangenen Wochenende bestätigt gefühlt haben. 75 Menschen aus 25 Städten aus dem ganzen Bundesgebiet haben sich in Bielefeld zur Koordinierung des Expo-Widerstands getroffen. "Es war das bisher größte Treffen der Expogegner und erstmals waren Delegierte aus allen Regionen gekommen;" erklärte der Anti-Expo-Aktivist Jörg Bergstedt das wachsende Interesse am Widerstand gegen die Weltausstellung.

Die Expo-Gegner haben sich allerdings auch eine Menge vorgenommen. Der Widerstandsreigen soll schon einen Monat vor der Expo-Eröffnung beginnen. Mit einem Global-Action-Day am 1.Mai soll der Neoliberalismus international ins Visier genommen werden soll. Der letzte internationale Aktionstag fand anläßlich der WTO-Konferenz von Seattle am 30.November 1999 statt. Die Weltausstellungsgegner erhoffen sich davon Rückenwind für ihre Anti-Expo-Aktionswoche, die mit einer bundesweiten Großdemonstration am 27.5. in Hannover starten soll. Anschließend soll es mit dezentralen Aktionen und Innenstadtaktionstagen weitergehen. Im Mittelpunkt der Proteste soll der Eröffnungstag der Expo am 1 Juni stehen. "Die Expo wird nicht eröffnet"; lautet das trotzige Motto der Protestbewegung. "Nach dem verpatzten WTO-Auftakt in Seattle ist diese Losung nicht mehr so unrealistisch"; erklärt eine Expo-Gegnerin aus Tübingen.

Nicht alle werden ihren Optimismus teilen. Doch schon jetzt ist sicher, dass parallel zur Expo-Eröffnung ein buntes Treiben ihrer Gegner in Hannover zu erwarten ist. Nicht um eine Großaktion sondern um viele nebeneinanderstehende sich gegenseitig ergänzender Aktionen soll es dabei gehen. Während die Spassfraktion nach dem Motto "Reclaim the Street" bunte Strassenfeste organisieren will, plant die entwicklungspolitische Zeitschrift ‘alaska’ am ersten Juni-Wochenende für die Theoretiker der Bewegung einen Strategiekongress über internationalistische Perspektiven.

Wer die Anti-Expo-Woche heil überstanden hat, kann sich bei den Anti-Expo-Camps, die den Sommer über geplant sind, politisch korrekt erholen. Die Expo-Gegner sind zufrieden über das Interesse, dass sie schon jetzt in den Medien, bei den Verfassungsschutzämtern finden. Auch bei den beruflichen Expo-Befürwortern macht sich Nervosität breit. So lehnt Jürgen Resch, Präsidiumsmitglied des Deutschen Naturschutzrings und Expo-Funktionär, gemeinsame Podiumsdiskussionen mit dem Expo-Gegner Jörg Bergstedt ab, weil es in der Vergangenheit bei Debatten zu Anti-Expo-Protesten gekommen war.


Allerdings müssen sich die Expo-Gegner auch mit unerwünschten Bündnispartnern auseinandersetzen. Seit einigen Wochen mobilisieren auch Neonazis gegen die Expo und haben dabei ganze Passagen ihrer Texte aus linken Broschüren abgeschrieben. Auf den von dem Hamburger Neonazikader André Goertz betriebenen Internetseiten des Nationalen Infotelefons heißt es: "Der Nationale Widerstand, sowie alle unabhängigen Nationalisten und Heimattreuen, sollten am 1. Mai wie an den anderen Anti-EXPO2000-Aktionen teilnehmen." Auch der NPD-Kreisvorstand Hannover hat mit Aktionen gegen die Expo bedroht, wenn ein von der Partei für den 1.Mai in Hannover geplanter Aufmarsch gegen Expo und globalen Kapitalismus von den Behörden verboten werden sollte. Die linken Expo-Gegner haben sich eindeutig von den rechten Anti-Expo-Aufrufern distanziert und ihre Beteiligung an antifaschistischen Aktionen gegen den NPD-Aufmarsch am 1.Mai in Hannover angekündigt. "Emanzipatorischer Widerstand und sogenannter nationaler Widerstand schließen einander aus", heißt es unmißverständlich in der einer Presseerklaerung.

Peter Nowak

Anti-Expo-Kontakt: Anti-Expo-AG, c/o AStA der Universität Hannover, Welfengarten 1, 30167 Hannvover, Tel.: 0511/762-5061, 0511/717441

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