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junge Welt 22.08.2000
Gespaltene Türkei-Kritik Menschenrechtler demonstrierten in Hannover am offiziellen Türkei-EXPO-Tag vor allem Uneinigkeit _________________________________________________________________
Am Sonnabend wurde in der niedersächsischen Landeshauptstadt der Türkei-EXPO-Tag gemeinsam mit hochkarätigen Politikern aus dem NATO-Staat zelebriert. Für ein Kulturevent wurde von der Türkei das größte Stadion Hannovers gemietet. Doch auch die Kritiker der offiziellen türkischen Politik waren in Hannover auf der Straße. Gleich drei verschiedene Initiativen hatten Kundgebungen und Demonstrationen angemeldet. Amnesty International (ai), Friedensgruppen und kurdische Exilorganisationen protestierten am Sonnabend anläßlich des EXPO-Tages der Türkei getrennt gegen die Menschenrechtsverletzungen in dem Land am Bosporus.
»Menschenrechte schaffen Zukunft« unter diesen Motto mobilisierte ai zu einer Menschenkette vom EXPO-Gelände zum türkischen Generalkonsulat. Damit sollte auf die verschiedenen Arten der Menschenrechtsverletzungen in der Türkei aufmerksam gemacht werden. Auf der Abschlußkundgebung beklagte der ehemalige Bundesinnenminister Gerhard Baum (FDP) die mangelnden Rechte der in Deutschland lebenden türkischen und kurdischen Bürger. Obwohl die Zahl der Teilnehmer mit knapp 1 000 unter den Erwartungen lag, wertete ai-Sprecher Harald Gerstenkamp die Aktion als Erfolg.
Auch Klaus Falk von der Hannoveraner Sektion der Deutsche Friedensgesellschaft/Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG/VK) zog ein positives Resümee der Aktionen. Die DFG/VK organisierte zusammen mit der Geschichtswerkstatt Hannover und der Vereinigung der Verfolgten/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) eine Kundgebung am Klagesmarkt. Die im Anschluß geplante Demonstration in Hannovers Innenstadt wurde aber wegen geringen Interesse kurzfristig abgeblasen. Eine gemeinsame Aktion mit ai war nicht möglich, weil sich die Menschenrechtsorganisation angeblich nicht zu politischen Fragen äußert. »Wir begriffen unsere Aktion als Ergänzung und nicht als Konkurrenz. Unser Anliegen ging aber unter«, meinte Klaus Falk. Das Bündnis hatte neben der Menschenrechtssituation die Verfolgung der kurdischen Minderheit, die Repression gegen türkische Kriegsdienstverweigerer und die Ablehnung weiterer Waffenexporte thematisiert.
Auf einer von verschiedenen kurdischen Exil- Organisationen vorbereiteten Kundgebung forderten rund 300 Menschen zeitgleich in Hannover die sofortige Freilassung von PKK-Chef Abdullah Öcalan. Die PDS-Abgeordnete Heidi Lippmann rief zu einem Dialog zwischen Türken und Kurden auf. Die Veranstalter kritisierten die strengen polizeilichen Vorkontrollen.
Peter Nowak |