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junge Welt27.12.2000Wie angepaßt ist der Jugendumweltkongreß? jW fragte Susann Helbig, Pressesprecherin des Jugendumweltkongress (JUKß) _________________________________________________________________
F: Auch in diesem Jahr findet vom 27. Dezember bis 3. Januar der Jugendumweltkongreß (JUKß) statt, diesmal in Nürnberg. Wie ist diese Veranstaltung entstanden?
Der Jugendumweltkongreß ist ein bundesweites und überverbandliches Forum und fand das erste Mal 1993 als Nachfolge der »Auftakt«-Veranstaltungen statt. Damals hatte das Ganze noch stärkeren Kongreßcharakter mit einem für alle Teilnehmenden gleichen Veranstaltungsprogramm und festen Organisationsstrukturen. Davon sind wir mehr und mehr abgekommen hin zu Selbstorganisation, basisdemokratischen Konsensentscheidungen und spontanen Angeboten. Dadurch gelingt es uns, eine größere Themenvielfalt auf den JUKß zu bringen, die den unterschiedlichen Ansprüchen und Bedürfnissen am ehesten nachkommt.
F: Welche inhaltlichen Schwerpunkte wollen Sie setzen?
Inhaltliche Schwerpunkte werden die Gentechnik sowie die Themen Wasser und Stadtplanung sein. Wir werden ebenso die »grüne« wie die »rote« Gentechnik diskutieren. Es wird zahlreiche Arbeitskreise zu diesem Thema vom GenEthischen Netzwerk GeN, Berlin, und von Einzelpersonen geben. Beim Thema Wasser könnten beispielhaft Flußbegradigung und Denaturierung, Wasserkraft oder Gewässerverschmutzung genannt werden. Stellvertretend für den Inhalt des weitgefaßten Themas Stadtplanung seien alternative Lebensformen in Städten, Nahverkehr oder Überwachung im öffentlichen Raum genannt. Arbeitskreise werden unter anderem auch zum Thema Förderung des Radverkehrs angeboten.
F: In der Einladung zum Kongreß werden »faule Kompromisse« in der Umweltbewegung abgelehnt. Andererseits bemängelt der NGO-Kritiker Jörg Bergstedt, daß die Jugendumweltbewegung von Jugendfunktionären und -funktionärinnen dominiert wird. Wie angepaßt ist der JUKß?
Wir werden uns auf dem JUKß fragen müssen, ob wir in dieser Art überhaupt die Jugendumweltbewegung repräsentieren. Ökologie als Schlagwort ist zu einer Worthülse geworden, die das Umweltbundesamt, Lehrer, die CDU und auch rechtsextreme Gruppierungen gleichermaßen verwenden, ohne daß damit konkrete umweltpolitische Vorstellungen und Ziele genannt werden.
Die einstige Jugendumweltbewegung, die das Ökologie- Thema, gesellschaftliche Alternativen und widerspenstige Politik verbunden hatte, hat sich stark differenziert. Die letzten Jahre zeigen, daß sich die Bewegung, die den JUKß jetzt trägt, eher über eine gemeinsame politische Vorstellung von Selbstbestimmung, basisorientierter Politik und dezentralen Lösungen definiert. Unser Grundkonsens ist schmal, etwa daß wir keine rassistischen oder sexistischen Äußerungen und Handlungen dulden wollen. Das Ideal des JUKß wäre das ganze Spektrum: von den »NistkästenbauerInnen« bis zu denjenigen, die einen Großteil ihrer Zeit mit politischen Aktionen verbringen.
F: Vor einigen Jahren war der SPD-Umweltexperte Hermann Scheer prominenter Gast beim JUKß in Berlin. In den letzten Jahren gab es keine »großen Namen« mehr auf dem Kongreß. Ist mit dem Regierungsantritt von SPD und Grünen die Distanz zu den Politikern größer geworden?
Ich glaube, daß sich viele JUKß-Teilnehmer mehr von der neuen Rot-Grün-Verbindung erhofft haben, was sich spätestens nach der Zustimmung der Grünen zu einer Beteiligung am Kosovo-Krieg erledigt haben dürfte. Die große Hoffnung setzen wir aber sowieso nicht in die Politiker, sondern auf unsere eigene Kraft und Kreativität.
Interview: Peter Nowak |