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ND 3.01.2008Vom Transparent bis zum Theater
Teilnehmer des 15. Jugendumweltkongresses kämpfen in Berlin für ein gentechnikfreies Jahr 2008
Mit Demonstrationen, Kletter- und Theateraktionen haben Teilnehmer des 15ten bundesweiten Jugendumweltkongresses (Jukss) am Mittwoch ihre Kampagne gegen den Einsatz der Gentechnologie fortgesetzt. Schon am Dienstag kletterten Aktivisten auf die Fassade des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin-Mitte und brachten ein Transparent mit der Aufschrift: "2008 wird gentechnikfrei - so oder so" an.
Am Mittwoch beteiligten sich ca. 150 Teilnehmer an einer Demonstration durch Berlin-Mitte. Von dort aus verteilten sich Aktionsgruppen in der gesamten Innenstadt. Einige führten ein gentechnikkritisches Theaterstück auf. Andere blockierten das Büro des Bundes Deutscher Pflanzenzüchter in Berlin-Mitte. Jörg Bergstedt, der zu den Aktivisten der Proteste gehört, zeigte sich gegenüber ND zufrieden mit dem Ablauf. Während ein großes Polizeiaufgebot den immer kleiner werdenden Demonstrationszug bis zum Schluss begleitet habe, konnten die Kleingruppen ihre Aktionen machen. Bis zum Redaktionsschluss gab es keine Festnahmen.
Empört zeigten sich viele Jukss-Teilnehmer allerdings von einer Polizeiaktion in den frühen Morgenstunden des 30 Dezember. Zunächst seien zwei Zivilpolizisten der Abteilung für politisch motivierte Kriminalität in den für den Jukss angemieteten Räumen im Kultur- und Bildungszentrum Raoul Wallenberg (KuBiz) in Berlin-Weissensee aufgetaucht. Nachdem sie von Teilnehmern des Jukss zum Verlassen des Gebäudes aufgefordert worden seien, trafen Polizeibeamte ein und forderten die Namen eines Jukss-Verantwortlichen. Daraufhin habe sich ein großer Teil der anwesenden Kongressteilnehmer vor den Eingang des Kubiz versammelt. Es sei eine friedliche Stimmung gewesen, Lieder wurden angestimmt und humoristische Sketche vorgeführt, berichten Augenzeugen. Trotzdem sei die 23ter Hundertschaft, die häufig bei politischen Aktionen zum Einsatz kommt, vor dem Gebäude eingetroffen und habe mehrere Teilnehmer kurzzeitig festgenommen. Erst nach mehreren Stunden habe sie sich zurückgezogen. "Bis heute wurde uns weder für den Einsatz der Zivilbeamten noch der Hundertschaft ein Grund mitgeteilt“, erklärte ein Jukss-Mitorganisator. Auch die Pressestelle der Polizei konnte keine Begründung für den Einsatz geben. Im Internet-Medienticker der Berliner Polizei wird der Einsatz nicht aufgeführt.
Der Jukss, an dem seit dem 22. Dezember ca. 150 Menschen aus ganz Deutschland teilnehmen, endet am kommenden Freitag. Das aktuelle Programm für die nächsten Tage findet sich unter http://www.jukss.de/2007/Programm.
Peter Nowak