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Blick nach Rechts 2/08„Bolschewistischer Terror“                                                                                                                     NPD-Vertreter lobt die Ermordung von Luxemburg und Liebknecht.
Die Berliner NPD hat in den letzten Wochen wieder einmal Schlagzeilen mit ihrer Leseart der Geschichte gemacht. Unter dem Motto „Gegen das Vergessen – Freikorps, Soldaten für Deutschland“ wollte die rechtsextreme Partei am 13. Januar die Mörder der beiden sozialistischen Politiker Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ehren. Geplant war die Aktion zeitgleich zur alljährlichen linken Großdemonstration zu Ehren Liebknechts und Luxemburgs. Die von den Rechtsextremisten in unmittelbarer Nähe geplante Aktion wurde allerdings polizeilich untersagt. Da die NPD auf juristische Schritte gegen das Verbot verzichtete und auch nirgends Ersatzveranstaltungen stattgefunden haben, ist davon auszugeben, dass die NPD mit der Aktion vor allem im Gespräch bleiben wollte.
Schon Mitte Dezember hatten die NPD-Vertreter im Bezirksparlament von Lichtenberg den Antrag gestellt, nach dem für den Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht verantwortlichen Waldemar Pabst einen Platz zu benennen, der bisher nach dem Widerstandskämpfer Anton Saefkow benannt ist. Der NPD-Bundesvorständler und Lichtenberger Bezirksverordnete Jörg Hähnel bezeichnete bei der Begründung des Antrags die Ermordung von Lichtenberg und Luxemburg als „Akt des Demokratieerhalts“. „Dem bolschewistischen Terror war durch die entschlossene Tat vom 15. Januar 1919 die entscheidende Stoßkraft genommen. Das Reich konnte sich langsam von den Wirren der Niederlage und des Chaos' befreien, wenngleich auch nicht gesunden“, schwadronierte der NPD-Bezirksverordnete. Wegen der öffentlichen Billigung von Tötungsdelikten unter anderem hat Lichtenbergs Kulturstadträtin Katrin Framke (Linke) Strafanzeige gegen Hähnel gestellt.
Die kürzlich verstorbene Bremer Historikerin Doris Kachulle bezeichnete Waldemar Pabst als „Brückenbauer zwischen Konservatismus und Faschismus“. In dieser Funktion sei er schon in der Weimarer Republik, später in Österreich und bis zu seinem Tod im Jahre 1970 in der BRD aktiv gewesen. Bis zum Schluss stand er der NPD nahe.
Peter Nowak