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Blick nach Rechts18/2008„Urarische Religion”
Rechter Aufmarsch gegen Hindu-Tempel.
Etwa 120 Teilnehmer der rechtsextremen Szene hatten sich am 23. September im Berliner Stadtteil Neukölln zu einer wochenlang vorbereiteten Demonstration versammelt. Das Motto: „UNSERE Stadt – UNSERE Heimat! Keinen weiteren Hindu-Tempel nach Neukölln!“. Einer der Gebetsräume für die rund 6000 in Berlin lebenden Hindus ist noch in der Planungsphase, einer befindet sich schon im Rohbau. Auf der Homepage der NPD-Berlin dagegen hieß es: „Wir sind sicherlich keine Feinde der Religionsfreiheit, doch der Austausch der heimischen Bevölkerung und der optische Wandel der Städte sind nicht hinzunehmen.“
Als Hauptredner agierte das NPD-Mitglied in der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln Thomas Vierk gegen den Tempelbau. „Wenn eine Gemeinde von 200 Hindus das Recht erhält, ihren eigenen Tempel zu bauen, dauert es nicht mehr lange, bis jeder Zugereiste seinen eigenen Bau aufstellen will und wahrscheinlich sogar darf!” Unter den Demonstrationsteilnehmern waren der NPD-Vorsitzende Udo Voigt sowie bekannte Personen aus dem Kreis der Freien Nationalisten. Darunter auch Sebastian Zehlecke, der aus dem Umfeld der mittlerweile verbotenen Kameradschaft Tor kommt und erst kürzlich wegen eines Angriffs auf einen Infostand von Nazigegnern in Berlin-Lichtenberg zu 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt wurde. Auch ein Mann, der sich im Herbst 2006 als Aussteiger aus der rechten Szene ausgegeben hatte, wurde auf der Demonstration erkannt.
Auf der rechten Internetplattform Altermedia wurde beklagt, dass es in Neukölln bisher kaum Widerstand gegen den Tempelbau gebe. So wurde die Gründung von Bürgerinitiativen und Unterschriftensammlungen in dem Stadtteil ins Gespräch gebracht. Allerdings gab es auf Altermedia auch Widerspruch zu dem Protest. Man solle statt dessen gegen den Bau von Moscheen demonstrieren. Der Hinduismus sei eine „urarische Religion“. Unter dem Pseudonym „Kelte” mutmaßte ein User gar: „Im großdeutschen Reich wäre vermutlich sogar Himmler persönlich zur Einweihung des Tempels gekommen.“
Peter Nowak