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ND04.04.2008Kritik ist nicht gefragt
Von Peter Nowak
Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass an den Universitären linke Positionen nur noch rudimentär vorhanden sind. Doch die Talsohle ist noch nicht erreicht. Lange Jahren existierende linke Publikationen stellen ihr Erscheinen ein. Dazu gehört die Zeitschrift »Sozial.Geschichte«, die seit ihrer Gründung 1986 als eines der Flaggschiffe der kritischen Geschichtswissenschaft im deutschsprachigen Raum galt. Der Grund für die Schließung seien nicht etwa finanzielle Probleme, sondern das zu groß gewordene »Missverhältnis zwischen dem editorisch-redaktionellen Aufwand und den Abonnements- und Verkaufszahlen«, begründen die Herausgeber ihren Schritt.
Finanzielle Gründe waren hingegen für die Einstellung der Zeitschrift »beiträge zur feministischen theorie und praxis« maßgeblich. Die Publikation machte deutlich, dass es einst eine feministische Theorie und Praxis jenseits von Alice Schwarzers »Emma« gab. Die Auflage der Zeitschrift, die in den Hochzeiten bei 3000 Exemplaren lag, war auf unter 600 gesunken. Auch der Fortbestand der »Internationalen wissenschaftlichen Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung« (IWK), einer seit 43 Jahren an der Freien Universität (FU) Berlin herausgegebenen linken Fachzeitung, ist ungewiss. Nachdem die FU kein Interesse mehr an der Zeitschrift hat, fand die Redaktion vorübergehend im kleinen Basisdruck-Verlag Exil. Wie es weitergeht, ist völlig ungewiss.
So unterschiedlich diese drei Publikationen waren, so klar ist der Grund ihrer Probleme. Gesellschaftskritik ist nicht mehr gefragt, in einer Gesellschaft, in der nur noch Profit und Verwertung zählt. Wenn auch der Verlust jeder linken Publikation zu bedauern ist, so ist doch die Gelassenheit, mit der eine der Mitbegründerinnen der »beiträge zur feministischen theorie und praxis« die Einstellung kommentierte, sicher kein schlechter Ratgeber: »Die zweite Frauenbewegung ist vorbei. Die dritte müssen andere machen. Und die werden dafür sicher andere Formen finden«.