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Blick nach Rechts04/2008Unerwünschte Nachbarn
Neuer Thor-Steinar-Laden sorgt in Berlin für Aufregung.
„Wir weisen den Versuch, uns und unsere Kunden in eine politische Ecke zu drängen auf das Schärfste zurück. Die Firma Protex GmbH wurde gegründet, um Geld zu verdienen, auch wenn ihnen das nicht passen sollte.“ Mit dieser Erklärung versuchen die Vertreiber von Kleidungsstücken der Marke Thor Steinar, die Wogen nach der Neueröffnung eines Thor-Steinar-Ladens am 31. Januar in der Rosa-Luxemburg-Straße in Berlin-Mitte zu glätten. Die Marke Thor Steimar sorgte nach ihrer Registrierung im Oktober 2002 für politische und auch juristische Auseinandersetzungen. Das Oberlandesgericht Brandenburg stellte in einem Urteil im Jahre 2005 fest, „dass die Textilien der Marke Thor Steinar durch ihre farbliche Gestaltung und verwendete Aufschrift gerade Personen der Neonaziszene ansprechen und dies mutmaßlich auch so vom Hersteller beabsichtigt ist“.
Neben dem Internetverkauf versucht die Protex GmbH durch den Aufbau von eigenen Läden in möglichst zentraler Lage den Vertrieb anzukurbeln, und so auch Kunden außerhalb der rechten Szene zu erreichen. Das führt regelmäßig zu Protesten. So musste ein Thor-Steinar-Laden am Berliner Alexanderplatz nach Beschwerden von Anwohnern schließen. Schon während der Neueröffnung einige Meter weiter gab es Protestaktionen. Auch mehr als zwei Wochen danach protestierten viele Ladenbesitzer gegen den ungeliebten Nachbarn. Nach Informationen der „Berliner Zeitung“ hat der Eigentümer mittlerweile die Ladenbetreiber Protex GmbH zur Räumung aufgefordert. Vor Vertragsabschluss hätten die Ladeneigentümer den Hintergrund des Geschäfts sehr geschickt im Dunkeln gelassen, lautet die Begründung. Allerdings gehen Juristen davon aus, dass eine Kündigung schwierig sein wird.
Zur Zeit gibt es eine juristische Auseinandersetzung um die Kündigung eines Thor-Steinar-Ladens in Magdeburg. Ein Urteil wird demnächst erwartet und könnte auch darüber entscheiden, ob sich die Protex GmbH in Berlin bald wieder nach einem neuen Domizil umsehen muss.
Peter Nowak