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ND11.04.2008Unterricht oder Kultur?
Das Theaterhaus Mitte soll einer Schule weichen
Von Peter Nowak
In einem alten Schulgebäude am Koppenplatz ist seit acht Jahren das Theaterhaus Mitte untergebracht. Das 1992 gegründete Kulturprojekt hat sich zu einer wichtigen Adresse für freie Theaterkünstler entwickelt, und auch auf etablierten Bühnen sind mittlerweile Stücke zu sehen, die hier entwickelt wurden, so Stephan Beer von der Nutzerinitiative Theaterhaus.
Unter dem Motto »SOS-Theaterhaus« mobilisiert die Initiative für den Erhalt des Aufführungsortes am bisherigen Standort. Der ist gefährdet, weil das Schulamt Mitte den Kooperationsvertrag mit dem Theater beenden und ab August 2008 in dem Gebäude den Schulbetrieb wieder aufnehmen will. Das Gebäude war den Künstlern vom Bezirksamt Mitte mietfrei zur Verfügung gestellt worden.
Die Kulturstadträtin des Bezirks Mitte Barbara Hänisch (SPD) betont, dass eine Kündigung des Kulturprojekts noch nicht erfolgt sei. Doch das Schulamt könne auf das Gebäude nicht verzichten. Die Zahl der Lernanfänger in der Spandauer und Rosenthaler Vorstadt werde sich in den nächsten 6 Jahren von jetzt 191 auf dann 319 erhöhen. Das entspreche einer Steigerung um 67 Prozent, so die Politikerin. »Dass es zusätzliche Grundschulplätze in dieser Region braucht, liegt also auf der Hand.«
Es gäbe Bemühungen um einen Ersatzstandort für das Projekt, betont Hänisch. Die Nutzerinitiative aber will davon nichts wissen. »Das Gebäude am Koppenplatz soll auch in Zukunft die kulturelle Institution Theaterhaus Mitte beheimaten«, heißt es in einem Offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Klaus Woworeit (SPD) und die kulturpolitischen Sprecher aller Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus. In dem Brief wird ein neuer Kooperationsvertrag verlangt. Auch einer vorübergehend gemeinsamen Nutzung des Gebäudes durch Schule und Künstler stehen die Kulturschaffenden skeptisch gegenüber. Sie befürchten einen »Tod auf Raten« des Theaters.