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ND28.10.2008Friedensfahrt per Bus
(ND, Peter Nowak, 27.10.08) Zum langen Tag des Antimilitarismus hatten die Antifaschistische Linke Berlin und die Gefangenenhilfsorganisation Libertad in den Kreuzberger Mehringhof eingeladen.
Gleich am Anfang hatten gestern die zunächst knapp 50 Besucher die Qual der Wahl In einem Raum referierte der Frankreich-Korrespondent der Wochenzeitung Jungle World am Beispiel des ehemaligen Mitbegründers der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ und heutigen französischen Außenministers Bernard Kouchner über die Verbindung zwischen Menschenrechtsretorik und Krieg. Im Nebenraum debattierten Rüdiger Göbel von der Tageszeitung junge Welt und die Bundestagsabgeordnete der Linken Heike Hänsel die Frage, ob die Linkspartei den Weg der Grünen geht und den Antimilitarismus aufgibt.
Am Nachmittag hatte sich die Teilnehmerzahl verdoppelt. Beim Runden Tisch der Antimilitaristen stellten verschiedene ihre Aktionen vor. Die Initiative gegen die Sicherheitskonferenz in München und die Bürgerinitiative gegen das Bombodrom bei Wittstock blicken schon auf jahrelange Praxis zurück. Neueren Datums ist eine „antimilitaristische Tatortinspektion“, die am 13 November zu einer Bustour zu Orten der Rüstungsproduktion und des Antimilitarismus einlädt. . Inspiziert werden soll der Fachbereich Military Studies an der Potsdamer Universität und die am Rüstungsgeschäft beteiligte Firma MAN in Brandenburg/Havel.
In ihrer Nähe waren Ende Juli 2007 drei Berliner festgenommen, die von der Staatsanwaltschaft beschuldigt werden einen Brandsatz unter Militärfahrzeuge gelegt zu haben. Zu Zeit wird deswegen vor dem Berliner Kammergericht verhandelt, wo die Bustour beginnt. Ein Mitorganisator des Antimilitarismustages erklärte gegenüber ND, dass die Zerstörung von Kriegsmaterial in Großbritannien, Belgien und den USA zur antimilitaristischen Praxis gehörte.
Anders als die Friedensbewegung, die in den 80er Jahren zumindest in Westdeutschland noch Hunderttausende auf die Straße gebracht hat, wollen sich auch die Berliner Antimilitaristen nicht auf Demonstrationen und Menschenketten beschränken. Das Symbol dieser Friedensbewegung, die weiße Friedenstaube war auf dem Treffen nicht zu sehen. Dafür kam mit dem Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll ein alter Weggefährte dieser Friedensbewegung wieder zu ehren. Seine Erzählung „Das Ende einer Dienstfahrt“ wurde als Hörspiel aufgeführt. Der 1966 geschriebene Text handelt von einem Vater und seinen Sohn, die gemeinsam einen Bundeswehr-Jeep anzünden.
Quelle: ND 27-10-08