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ND18.04.2008Spaßkultur statt Engagement
Von Peter Nowak
Zweifel am Datenschutz, dubiose Nazi-Witze und sexistische Videos: Seit ihrer Gründung kommt die virtuelle Studenten-Community StudiVZ nicht aus den Schlagzeilen. Doch den Ansturm der Kommilitonen auf die 2005 von den Informatikstudenten Dennis Bemann und dem angehenden Wirtschaftswissenschaftler Ehsan Dariani gegründete Internetplattform taten diese Negativschlagzeilen keinen Abbruch. Nach dem Motto »Dabei sein ist alles«, wollte im Jahr 2006 sogar der eher linke Dachverband der Studierendenschaften (fzs) mit StudiVZ kooperieren. Allerdings war dort der interne Widerstand groß.
Das Argument der Kooperationsbefürworter, dass auf StudieVZ die Kommilitonen zu finden sind, die die letzten linken Studenten auf Plena und Demonstrationen vergeblich suchen, ist sicher richtig. Der Erfolg der Internetkontaktbörse sagt aber mehr über das Elend des Studentenleben in Zeiten von Bacheolor- und Masterstudiengängen aus als manche linke Flugschrift. »Erfahre, was an Deiner Hochschule abgeht! Du siehst all Deine Freunde auf einen Blick, wer wen kennt und mit wem befreundet ist«, wirbt StudieVZ auf der Homepage. Interessierte Schüler werden mit der Frage angelockt: »Möchtest Du aus erster Hand erfahren, was Dich demnächst an Deiner Uni erwartet?«
Es ist noch gar nicht so lange her, dass Studierende von älteren Semestern in das Campusleben eingeführt wurden. Dabei lernten sie gleich die studentische Protestkultur kennen. Um Freunde zu treffen, brauchte man nur in ein selbstverwaltetes Fachschaftscafé oder auf eine Studentenparty zu gehen, eine Vollversammlung oder eine Demonstration zu besuchen. Ein immer mehr verschultes Studium hat die Kapazitäten für solche selbstorganisierten Aktivitäten stark eingeschränkt. Den Anschluss suchenden Kommilitonen wird dafür durch StudiVZ Entertainment geboten. Statt über die Studienbedingungen diskutieren die User über Miss-Wahlen.