[Index] [Nowak] [2006] [2007] [2008]

ND01.12.2008Stromnetze in öffentliche Hand
Von Peter Nowak
Mehr als 10 000 Menschen haben einen von Robin Wood, Attac und dem Bund der Energieverbraucher initiierten Aufruf zur Überführung der Hochspannungsleitungsnetze in öffentliches Eigentum unterschrieben. Am vergangenen Donnerstag übergaben Vertreter der drei Organisationen die Unterschriften im Bundeskanzleramt. Zeitgleich konfrontierten Attac-Aktivisten die Vorstandsvorsitzenden der Energieriesen RWE, E.on und Vattenfall auf der Berliner Konferenz »Kraftwerke und Netze für eine nachhaltige Energieversorgung« mit ihren Forderungen.
Wenn es die Absicht war, eine gesellschaftliche Diskussion über die demokratische Kontrolle der Stromnetze auszulösen, müssten die Forderungen allerdings in einen größeren Zusammenhang gestellt werden. Ein gutes Beispiel ist die Kampagne »Bürgerbahn statt Börsenbahn«. Ihr ist es gelungen, auch in den Gewerkschaften und der SPD für ihre Forderungen Zustimmung zu finden. Im Kampf gegen eine börsennotierte Bahn waren Delegierte des SPD-Parteitags zum Konflikt mit der eigenen Führung bereit. So weit ist es bei der Energieversorgung noch nicht.
Dabei liegen die Parallelen auf der Hand. Mehr noch als das Schienensystem der Bahn sind die Stromnetze ein lebenswichtiger Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und müssten schon deshalb dem Profitsystem entzogen werden. Dieser Erkenntnisprozess könnte beschleunigt werden, wenn die Stromkunden von den Vorzügen von Netzen in öffentlicher Hand überzeugt werden können. Doch gerade bei der viele Menschen bewegenden Frage nach der Höhe der Strompreise halten sich die Aktivisten zurück. Sollte nämlich die Rückverstaatlichung des Stromnetzes mit hohen Entschädigungszahlungen an die Energiekonzerne verbunden sein, würde der Strompreis kaum sinken. Wenn man allerdings in Rechnung stellt, was die Konzerne an den Netzen bisher verdient und wie wenig sie dort investiert haben, wäre eine entschädigungslose Enteignung nur zu berechtigt. Das würde mit dem Preisargument die Akzeptanz eines öffentlichen Stromnetzes sicher erhöhen.
Lexikon - Verbundnetz
Als Verbundnetz bezeichnet man das Hoch- und Höchstspannungsstromnetz (50 bis 150 bzw. über 220 Kilovolt) zwischen großen Kraftwerken und nationalen Stromversorgungsnetzen. So sind die vier Netze der großen deutschen Energiekonzerne über nationale Kuppelleitungen zum Verbundnetz zusammengeschaltet. Dieses wiederum ist durch internationale Kuppelleitungen mit den Netzen der Nachbarländer verbunden. Neben dem Ausgleich regionaler Verbrauchsschwankungen dient dieses Netz auch der Ausfallsicherung sowie dem Handel mit Elektroenergie (Durchleitung).