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ND19.07.2008Klinikkomfort nicht für alle
Offener Brief an den Senat wegen schlechter Arbeitsbedingungen und Stellenabbau bei Vivantes
Von Peter Nowak
Die Mitarbeiter sind mit ihrer Geduld am Ende. Auf einer Versammlung verfassten sie einen offenen Brief an den Senat, in dem die Beschäftigten des zur Vivantes GmbH gehörenden Klinikums Neukölln scharfe Kritik an ihren Arbeitsbedingungen und der Berliner Gesundheitspolitik üben.
Bereits die Rechtsform der GmbH bedeute für das Unternehmen Vivantes den Zwang zum ständigen Vergleich mit privaten Krankenhausbetreibern. Das habe aus der Sicht der Beschäftigten fatale Folgen. »Jegliche Vorreiterrolle eines Unternehmens der öffentlichen Hand in Bezug auf die Verbesserung der Gesundheitsversorgung und auch auf Herstellung humaner Arbeitsbedingungen werden aufgegeben zugunsten einer fragwürdigen Konkurrenz mit privaten Krankenhausketten, deren Hauptziel steigende Profite sind«, heißt es in dem Schreiben. Privatversicherte Patienten würden besser behandelt als Kassenpatienten, schreiben die Mitarbeiter mit Verweis auf eine von Vivantes gegründete »Komfortklinik GmbH«, die 191 Betten umfassen und mit einem höheren Personalschlüssel ausgestattet werden solle.
Im Bereich der Kassenpatienten hätte weiterer Stellenabbau hingegen höhere Arbeitsbelastung und damit die Verschlechterung der Versorgungsqualität zur Folge. Die Mitarbeiter fordern daher den Stopp von Klinikschließungen und keinen weiteren Stellen- und Bettenabbau. Nur mit dem Abschluss eines Flächentarifvertrages des Öffentlichen Dienstes für sämtliche Vivantesmitarbeiter könne die Aufspaltung der Belegschaft verhindert werden. Die Beschäftigten erinnerten auch daran, dass sie in den letzten Jahren teilweise oder ganz auf Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie die Erhöhung ihrer Grundgehälter verzichtet hätten.
»Wir haben dem Unternehmen geholfen, die Insolvenz abzuwenden, jetzt geht es um unsere eigene Insolvenz.« Weiterer Lohnverzicht komme für sie nicht in Frage.
Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (LINKE) könne den Unmut der Beschäftigten über ihre Arbeitsbedingungen nachvollziehen, sagte deren Sprecherin Regina Kneiding, gegenüber ND. Allerdings teile sie die Wertungen über die sinkende Qualität der Patientenversorgung ausdrücklich nicht. Der für die Klinikbeschäftigten bei ver.di-Berlin zuständige Bereichsleiter Georg Güttner-Mayer sagte, dass er den Brief nicht kenne, die angesprochenen Probleme der Gewerkschaft aber sehr wohl bekannt seien. Deshalb habe bei ver.di auch der von den Mitarbeitern geforderte Abschluss eines Flächentarifvertrags hohe Priorität