[Index] [Nowak] [2006] [2007] [2008]

ND11.01.2008Schulpolitik à la Koch
Von Peter Nowak
Bevor der hessische Ministerpräsident Roland Koch seine Law-and-Order-Kampagne gegen Jugendkriminalität begonnen hatte, war seine CDU in die Defensive geraten. Der massive Vertrauensverlust hat seine Ursache vor allem in einer bildungspolitischen Maßnahme, die unter dem Kürzel G 8 für zunehmenden Widerstand bei Landeselternbeiräten, Jugendgruppen und der Gewerkschaft Erziehung und Gewerkschaft (GEW) sorgt. Die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit von neun auf acht Schuljahre, die in zwei Etappen eingeführt wurde, hat sich so innerhalb kurzer Zeit zu einer großen Belastung für die konservative Landesregierung entwickelt.
Die hessische Kultusministerin Karin Wolf bekam den Unmut besonders deutlich zu spüren. In Umfragen avancierte sie zur unbeliebtesten Politikerin im hessischen Kabinett. Aber auch Roland Koch geriet zunehmend in die Kritik. Unter dem Motto »Stoppt Wolfs und Kochs G 8« starteten die Kritiker eine Unterschriftensammlung, die große Resonanz fand.
Natürlich haben sich auch die Oppositionsparteien SPD, Grüne und Linkspartei die Gelegenheit nicht entgehen lassen, bei der Bildungspolitik Punkte zu sammeln. Die SPD kündigte an, G 8 nach einem Wahlsieg zu korrigieren. Die Grünen, die sich anfangs vehement gegen die Maßnahme ausgesprochen hatten, wollen nach einem Bericht der FAZ nun das achtjährige Gymnasium beibehalten, den Unterricht aber besser auf die gesamte Schulzeit verteilen. Die Linkspartei fordert dagegen die vollständige Rücknahme der Reform.
Auch an den Schulen wächst die Widerstandsbereitschaft. Schüler der Prälat-Diehl-Schule in Groß-Gerau formulierten in einer Petition ihre Position: »In der Schule lernt man vieles: ... Aber das wirklich Wichtige lernt man nicht: Wie man für eine Sache eintritt und für sie kämpft. Und das wollen wir!«