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Blick nach Rechts22/2008Mörderisches Klima
Rechte Gewalt wird in Russland alltäglich.
Die Mörder kamen am frühen Morgen. Der 27-jährige Fjedor Filatow war am 10. Oktober um 7.30 Uhr auf dem Weg zur Arbeit, als er unmittelbar vor seiner Wohnung in Moskau von vier mit Messern bewaffneten Personen angegriffen wurde. Er starb noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Für Filatows Freunde war sofort klar, dass die Tat mit dessen politischen Aktivitäten zu tun hat. Filatow war Mitbegründer einer „Moscow Trojan Skinheads“ , einer antirassistischen Gruppe von Redskins, die sich gegen die zunehmenden Neonaziaktivitäten in Russlands Subkultur engagiert.
Fjedor Filatow hatte im Februar 2008 Berlin besucht. Sein gewaltsamer Tod löste auch dort Betroffenheit aus. Am 19. Oktober machten in Berlin rund 50 Menschen vor der russischen Botschaft in Berlin auf die zunehmende rechtsextreme Gewalt in Russland aufmerksam. Denn der Tod von Filatow ist kein Einzelfall. Die Opfer rechter Gewalt in Russland häufen sich.
Am 8. Oktober wurde in der sibirischen Stadt Irkutsch die 22-jährige Olga Rukosyla zu Tode getreten. Augenzeugen berichteten, dass die junge Frau gegen 22.00 Uhr von drei Männern, die dem Anschein nach der rechten Szene angehörten, angesprochen wurde. Rukosyla wollte weglaufen, wurde von den jungen Männern zu Boden gestoßen und getreten. Sie starb wenige Stunden später an den Folgen der schweren Verletzungen. Rukosyla gehörte nach Angaben ihrer Freunde keiner bestimmten politischen Richtung an, habe aber durch ihre Kleidung ihre Zugehörigkeit zur Punkbewegung dokumentiert.
Das Informations- und Analyse-Zentrum SOVA listet auf seiner Webseite die Aktivitäten der Neonazis in Russland regelmäßig auf. Beinahe täglich gibt es demnach Angriffe auf Nichtrechte und Migranten. Fast jede Woche kommt es in Folge dieser Angriffe, die oft gruppenweise von mit Messern oder Knüppeln bewaffneten jungen Männern verübt werden, zu Todesfällen.
Peter Nowak