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TAZ 01.04.2008Rechte Drohungen per Mail
Mehrere Antifas in Pankow werden in letzter Zeit von Rechten gezielt verfolgt. Nun haben sie dies öffentlich gemacht
"Der Tag der Abrechnung kommt noch im April." Eine E-Mail mit diesem Inhalt ging vor wenigen Tagen bei einer Pankower Antifagruppe ein. Adressiert war sie an drei namentlich genannte Pankower Aktivisten. Die drei waren nicht das erste Mal im Visier von rechten Gruppen. Schon im Oktober vergangenen Jahres sind im Nordosten der Stadt Aufkleber mit den vollen Namen der drei Personen und dem Zusatz "Wir denken an Dich" aufgetaucht.
Für einen der darauf namentlich Genannten ist es nicht bei Drohungen geblieben. Ende Januar ist er am S-Bahnhof Pankow von Rechtsradikalen mit den Worten "Da ist er ja endlich" angepöbelt und verfolgt worden. Am 9. Februar gingen mehrere Scheiben seiner Wohnung zu Bruch. In der Nähe des Tatorts wurden Aufkleber der Vereinten Nationalisten Nordost (VNNO) gefunden. Antifagruppen aus dem Nordosten Berlins machen Mitglieder aus dem Umfeld dieser rechten Kameradschaft für die massiven Einschüchterungsversuche verantwortlich.
Die Antifas haben jetzt in einem Offenen Brief, der unter anderem von der antifaschistischen SchülerInnen-Vernetzung, dem Antirassistischen Heinersdorf-Bündnis und der North-East Antifascists unterzeichnet wurde, diese Drohungen bekannt gemacht.
Damit wollen sie verhindern, dass die Rechten ihr Ziel erreichen und sich die Bedrohten aus der politischen Arbeit zurückziehen oder gar ganz aus Pankow wegziehen. "Denn dann kämen die Rechten ihrem Ziel, dem Aufbau sogenannter ,national befreiter Zonen', ein Stück näher", warnt Martin Stern vom Antirassistischen Bündnis in Heinersdorf.
Die Antifagruppen wollen mit der Veröffentlichung auch erreichen, dass Einschüchterungen und Drohungen gegen Andersdenkende als rechte Gewalt wahrgenommen werden. "Meistens beschäftigen sich die Medien lediglich mit spektakulären Aktionen", berichtet Ilona Grosskopf von der antifaschistischen SchülerInnen-Vernetzung.
Auch der Mitarbeiter des antifaschistischen Pressearchivs und Bildungszentrums (apabiz), Ulli Jentsch, bestätigte der taz, dass der Gang an die Öffentlichkeit in der Regel ein Schutz für die Betroffenen ist. Allerdings könne man keine Generalregel aufstellen, sondern müsse auf den Einzelfall eingehen, betont der Antifaexperte.
Dem apabiz seien immer wieder Fälle gemeldet worden, in denen AntifaschistInnen von den Rechten gezielt geoutet und bedroht werden, betonte Ulli Jentsch. Deshalb seien die aktuellen Vorfälle im Nordosten Berlins für ihn keinesfalls Ausnahmen.
Die Pressestelle der Polizei wollte die Vorwürfe der Antifagruppe nicht kommentieren. Es seien bisher keine Anzeigen eingegangen. PETER NOWAK