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ND 21.01.08Umweltsünder müssen zahlen
Urteil gegen Total & Co setzt Maßstäbe
Von Peter Nowak
Acht Jahre nach dem Untergang des Tankers »Erika« vor der bretonischen Küste wurde der Ölkonzern Total vergangene Woche von einem französischen Gericht zur Zahlung von 3 750 000 Euro verurteilt. Außerdem müssen der Konzern und drei weitere Angeklagte Schadenersatz in Millionenhöhe zahlen. Die Verurteilten – so die Richter – haben fahrlässig die Havarie und die darauf folgende Umweltkatastrophe verursacht. 1999 hatten Tausende Tonnen Öl aus dem zerbrochenen Schiff die französische Küste in einer Länge von mehr als 400 Kilometern verschmutzt.
Umweltverbände loben das Urteil als einen juristischen Meilenstein. Tatsächlich kamen bei Umweltkatastrophen die Verantwortlichen meistens ungeschoren davon. Insbesondere jene Firmen, die zur Steigerung ihres Profits marode Billigtanker chartern, deren verworrene Eigentumsverhältnisse eine Haftung vermeiden sollen. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, schon deshalb gibt es keinen Grund für Umweltverbände, in Euphorie zu verfallen.
Nicht nur bei Öltransporten, auch in der Atom- und Chemieindustrie muss dem Verursacherprinzip noch auf die Sprünge geholfen werden. Wer erinnert sich noch an den Union Carbide-Konzern, der für die Giftwolke im indischen Bhopal 1984 verantwortlich ist? Die lebenslänglich gezeichneten Opfer wurden bis heute nicht entschädigt.
Das lag sicher auch daran, dass sie im globalen Süden leben. Deshalb muss sich auch nach dem Urteil in Frankreich die Frage stellen, ob es auch so ausgefallen wäre, wenn Strände in Asien oder Afrika mit Öl verwüstet worden wären? Schließlich ist bekannt, dass die Ölförderung in Nigeria tote Landschaften hinterlässt – Konsequenzen? Keine.
Deshalb bedarf es eines global geltenden Umweltrechts. Das aber kann nur gemeinsam mit sozialen Bewegungen aus Afrika, Asien und Lateinamerika durchgesetzt werden.