[Index] [Nowak] [2006] [2007] [2008]

ND16.06.2008Kein Lichtblick
Ärger über Stromkäufe von Öko-Anbieter
Von Peter Nowak
Unter den »5 guten Gründen für Lichtblick« steht im Internet noch immer »Strom aus regenerativen Energiequellen« an erster Stelle. Schließlich warb der Ökostromanbieter, dass man durch den Wechsel des Stromanbieters auch aus der Atomkraft aussteigen könne. Diese Überzeugung ist zumindest bei manchen Lichtblick-Kunden zur Zeit angeknackst. Wer die Homepage des Unternehmens anklickt, findet noch vor den guten Gründen für den Wechsel eine Erklärung in eigener Sache. Dort wurden im Kern die Vorwürfe bestätigt, die in einem Bericht der »Financial Times Deutschland« erhoben wurden. Demnach kamen zwei Prozent des Stroms, den Lichtblick an seine Kunden lieferte, aus Atomkraftwerken. Jene Energiemengen bezog Lichtblick über die Strombörse EEX als Regelenergie. Immer dann nämlich, wenn besonders viele Stromkunden gleichzeitig ihre Elektrogeräte anstellen, können Anbieter ohne eigene Zusatzkraftwerke einen Spannungsabfall nur durch zugekauften Strom von der Börse vermeiden. Doch die dort gehandelte Elektroenergie stamme nun mal hauptsächlich aus fossilen Brennstoffen und Kernkraftwerken, bedauert Lichtblick.
Diese Information wäre allerdings von Anfang an ganz sinnvoll gewesen. Schließlich kann man sich nicht als Werbeträger für den Ausstieg aus der Atomwirtschaft präsentieren, wenn man es doch nicht ganz mit »grünem« Strom hinkriegt.
AKW-Befürworter haben nun wieder Grund, über die Doppelmoral der Ökos zu lästern und nicht wenige Kunden mit ökologischem Anspruch werden enttäuscht sein. Doch hier wird auch die Grenze der viel gerühmten Verbrauchermacht deutlich. Auf privatwirtschaftlich ausgerichteten Stromanbietern ist der reale Einfluss gering. Deshalb fordert die von Attac initiierte Kampagne »Power to the People« die Enteignung und Dezentralisierung der Stromkonzerne. Dann besäße man auch einen Hebel, um zu verhindern, dass Atomstrom überhaupt ins Netz eingespeist wird.