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ND08.02.2008Noten auch für Lehrer?
Von Peter Nowak
Das waren noch Zeiten, als aufgeweckte Schüler und fortschrittliche Pädagogen für eine Schule ohne Noten gestritten haben. Heute lautet die Parole bei Pennälern »Benote Deine Lehrer«. Seit fast einem Jahr gibt es mit www.spickmich.de eine eigene Homepage für das Lehrer-Ranking. Die Zahl der bewerteten Pädagogen liegt schon längst in sechsstelliger Höhe.
Zunehmend beschäftigt die Lehrerbewertung aber auch die Gerichte. Eine Gymnasiallehrerin versucht zu verhindern, dass sie im Internet bewertet wird – bislang vergeblich. Sie will weiter klagen und erhält dabei von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Unterstützung. Die Internetseite sei nicht objektiv und könne manipuliert werden, erklärte GEW-Vorstandsmitglied Marianne Demmer.
Da ergäbe sich natürlich sofort die Frage, ob denn die Noten in den Zeugnissen der Schüler immer objektiv sind? Befürworter der Internetseite können auch darauf verweisen, dass die Zensuren für die Schüler viel gravierendere Auswirkungen haben können als das zwar öffentliche aber unverbindliche Lehrer-Ranking.
Allerdings hat Marianne Demmer auch schon deutlich gemacht, dass die GEW bei allem Verständnis für die protestierenden Pädagogen die Ranking-Homepage nicht ganz verdammen will. »Die Lehrerschaft wird jetzt mit der Nase darauf gestoßen, dass sie im Unterricht Raum geben muss für Schülerbeteiligung und Rückmeldung.«
Dabei müsste der große Zuspruch von spichmich.de eine grundsätzlichere Frage aufwerfen. Wird hier nicht das um sich greifende Ranking-Unwesen schon im Jugendalter eingeübt? Es sind gerade im Bildungssektor nicht zufällig wirtschaftsliberale Denkschulen, die sich für Rankings im Bildungsbereich stark machen. Es mag für manche Jugendliche eine Genugtuung sein, jetzt auch mal ihre Pauker bewerten zu können. Doch für eine fortschrittliche Pädagogik wäre es an der Zeit, eine Debatte über die Sinnhaftigkeit der Notengebung insgesamt zu führen.
Der Autor ist freier Journalist und lebt in Berlin.