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Blick nach Rechts16/2008Extreme Brutalität
Opfer vom Rand der Gesellschaft.
In einer ehemaligen Tischlerei am Mühlentor in Templin in der Uckermark wurde am 22. Juli der 55-jährige Besitzer des Gebäudes und Gelegenheitsarbeiter Bernt K. tot aufgefunden. Nach Angaben der zuständigen Staatsanwaltschaft von Neuruppin wies der Tote massive Verletzungen am Kopf auf, die durch großflächige stumpfe Gewalteinwirkung entstanden sind. Die Polizei spricht von einem äußerst brutalen Vorgehen.
In Zusammenarbeit zwischen Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Neuruppin konnten zwei Tatverdächtige ermittelt werden, die schon länger in der örtlichen rechten Szene bekannt waren. Gegen den 18-jährigen Sven P wurde Haftbefehl wegen Mordes und gegen den 21-jährigen Christian W. wegen Totschlags erlassen. Beide sind einschlägig hervorgetreten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde Sven P. kürzlich wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer 6-monatigen Jugendstrafe mit Strafaussetzung zur Bewährung verurteilt. Am 6. November 2007 verurteilte ihn das Amtsgericht Prenzlau in einem beschleunigten Verfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zu mehreren Wochen Jugendarrest. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass P. wenige Tage zuvor mit zwei weiteren jungen Männern durch die Innenstadt von Templin gezogen war und Sprüche wie „Deutschland den Deutschen“, „Sieg Heil“ sowie „Ausländer raus“ gebrüllt hatte. Auch Christian W. ist wegen gefährlicher Körperverletzung und schwerer Brandstiftung vorbelastet und hat bereits eine Jugendstrafe verbüßt. Derzeit steht er nach Reststrafenaussetzung seit Juni letzten Jahres unter Bewährung.
Für die Staatsanwaltschaft ist noch offen, ob die rechtsextreme Gesinnung der Verdächtigen bei der Tat eine entscheidende Rolle spielte. In Ermittlerkreisen wurden aber schon Parallelen zum Mord an dem 16-jährigen Marinus Schöberl im uckermärkischen Potzlow im Juli 2002 verglichen. Offenbar sei auch in Templin gezielt nach einem vermeintlich schwachen, am Rande der Gesellschaft lebenden Opfer gesucht worden.
Peter Nowak