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TELEPOLIS03.06.2008Israelsolidarität von Rechts?
Peter Nowak

Teile der rechten Szene und manche Antifaschisten sind gleichermaßen
verwirrt. Seit einigen Wochen macht eine Gruppierung vor allem im
Internet von sich reden, die sich Nationale Sozialisten für Israel (1)
nennt. Auf dieser Seite werden sind verschiedene Gruppierungen des
Spektrums der Freien Kameradschaften verlinkt, die in mehr oder weniger
großer Distanz zur NPD agieren und sowohl das Outfit als auch die
Politikformen von den Linken kopieren. Damit sind sie in ihren eigenen
Reihen schon häufig auf großen Widerstand gestoßen ( (Vermummte) Nazis
raus! (2)). Eskaliert waren die internen Auseinandersetzungen über die
Black Blocks, zu denen ein Teil der Autonomen Nationalisten auf rechten
Demonstrationen mobilisierte (3). Doch dass sich auf der rechten Seite
auch eine israelsolidarische Strömung etablierten sollte, hat dann
doch viele überrascht. Schließlich waren auch viele Antifaschisten
überzeugt, dass die Rechte vieles von den Linken kopieren könnte, aber
nicht die Israelsolidarität. Begründet wurde das mit dem in rechten
Kreisen virulenten Antisemitismus, der sich in moderner Form als
Antizionismus tarne.
Deshalb gab es relativ schnell sowohl auf Seiten der Rechten als auch
der Antifaschisten Vermutungen, dass es bei den Nationalisten für
Israel um ein Fake handele. Selbst Antifaschisten, die sich
ausdrücklich gegen Verschwörungstheorien wenden, beteiligten sich
plötzlich selber an der Verbreitung unbelegter Thesen. So wurde auf
einer Webseite (4) spekuliert, ob mit der Initiative "Autonome
Nationalisten für Israel" nicht in erster Linie israelsolidarische
Strömungen in der Linken angeschwärzt und in die rechte Ecke gestellt
werden sollen. Anderseits wurde auch überlegt, ob es sich bei den
israelsolidarischen Rechten um eine gezielte Strategie von
Antifaschisten handelt, um Verwirrung und Streit ins rechte Lager zu
bringen. Die Schreiber der von israelsolidarischen Antifaschisten
frequentierten Homepage des Anti-Defamation-Forums (5) gehen hingegen
davon aus, dass die Texte der rechten Israelsolidarität echt seien.
Auch in einer von der antifaschistischen Gruppe Theorie und Praxis (6)
herausgegebenen Broschüre (7) zum völkischen Antikapitalismus wird von
der Echtheit der Debattenbeiträge ausgegangen. "Die hier von den
Protagonisten eines "progressiven sozialistischen Nationalismus"
formulierte Absage an "völkische Wahnvorstellungen und Antijudaismus"
aber auch Sozialdarwinismus und Militarismus als "bürgerliche
Denkstrukturen" dürfte noch für einigen Gesprächsstoff innerhalb der
Kameradschaftsszene sorgen." .
Das ist in der Tat der Fall. Auf rechten Internetforen (8) wurde
dagegen die Vermutung geäußert, dass die israelsolidarischen Kameraden
ein Fake oder ein verspäteter Aprilscherz seien. Wie eng die
Toleranzgrenze dort ist, wurde aber auch schnell deutlich. Sollte es
die Nationalen Sozialisten für Israel tatsächlich geben, sollten sie
sich ganz schnell auflösen und verschwinden, hieß es mit drohenden
Unterton. Natürlich durfte auch der klassische antisemitische
Evergreen von der zionistischen Unterwanderung nicht fehlen. Doch
jenseits aller Spekulationen über die Herkunft der rechten
Israelfreunde ist eher der Einschätzung im Tagesspiegel (9)
zuzustimmen, der von "einer besonders bizarren Gruppierung" innerhalb
des Spektrums der Autonomen Nationalisten spricht. Wahrscheinlich
handelt es sich bei den Nasofi für Israel um eine sehr kleine Gruppe,
die es geschickt versteht, Diskussionen sowohl im rechten wie im linken
Lager anzuheizen, die aber zum Trendsetter werden könnte..
Antisemiten für Israel
Dabei wird oft unterstellt, dass der Antisemitismus als gemeinsames
Band in der Rechten eine positive Bezugnahme auf Israel unmöglich.
macht. Die Argument der Nasofi zumindest zeigt, dass es auch möglich
ist, gerade als Antisemit Israel zu unterstützen. Sie fordern ihre
Mitstreiter im rechten Lager auf:
--Beendet den Hass auf das jüdische Volk, unterstützt seinen Weg in
seine angestammte Heimat und wendet euch den wahren Feinden des
Deutschen Volkes zu! Machtvergessene und kapitalhörige Politiker, eine
entfesselte Wirtschaft, die Globalisierung und die Vermischung der
Völker!--
Die Thesen der selbsternannten rechten Tabubrecher unterscheiden sich
eigentlich gar nicht so sehr vom rechten Mainstream. In eindeutig
antisemitischer Manier wird gegen jüdische Persönlichkeiten wie Michel
Friedmann und Charlotte Knobloch hergezogen, der nahegelegt wird, "in
Israel ihr Glück zu versuchen". Auch die historischen Einsprengsel der
Nasofi-Strategen könnten aus der Nationalzeitung des Gerhard Frey
entnommen sein, der eigentlich in Kreisen der Autonomen Nationalisten
als Inbegriff des spießigen Traditionsrechten gilt. Dort wird betont,
dass es auch "patriotische" Juden gab, die im 1. Weltkrieg auf Seiten
Deutschlands gekämpft hatten. So findet sich auf der Nasofi-Homepage
eine Anzeige des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten, wo es heißt,
dass 12.000 Juden auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges gefallen
sind. "Und trotzdem: Der Platz ihrer Enkel und Enkelinnen ist nicht in
unserer Mitte, er ist bei ihrem Volk, in Israel", heißt die spezielle
Nasofi-Lesart für ein judenfreies Deutschland.
Hier wiederholen sie nur das Credo der unterschiedlichen
nationalistischen Gruppierungen, dass sich in den Parolen "Deutschland
den Deutschen und die Türkei den Türken" zusammenfassen lässt. Die
Nasofi haben diesen rechten Ethnopluralismus um die These bereichert,
dass der 2000jährige Überlebenskampf des jüdischen Volkes auch von
deutschen Rechten gewürdigt werden solle. "Jedes Volk hat seine
Tradition, sein Territorium und seinen Platz in der Geschichte - und
dazu gehört auch Israel." Auf einem Nasofi-Aufkleber, auf dem
zionistische Pioniere die Fahne des Staates Israel tragen, steht der
Spruch. "Ehre, wem Ehre gebührt".
Antisemitismus als Fessel für die Rechte
Die israelsolidarische Strömung unter den Freien Nationalisten mag sehr
klein und unbedeutend sein. Trotzdem könnte sie eine Vorreiterrolle in
der rechten Szene übernehmen. Denn bei rechtsextremen Parteien anderer
europäischer Länder waren schon länger proisraelische Positionen zu
finden ( Rechtsradikale für Israel (10)). Besonders der belgische
Vlaams Belang (11) bemühte sich nicht ohne Erfolg um Stimmen jüdischer
Wähler. Auch Le Pen, der Chef der Front National (12) hat schon vor
Jahren seine Bewunderung für den israelischen Politiker Sharon
geäußert (13), weil es ihm gelungen sei, die in den Kriegen eroberten
palästinensischen Gebiete längerfristig zu halten. Als negatives
Gegenbeispiel führte der französische Rechtsextremist, der schon
mehrmals die Shoah relativierte, den Rückzug Frankreichs aus Algerien
an. Erst vor wenigen Wochen erklärte (14) der Chef der britischen
British National Party (15) Nick Griffin, dass der Antisemitismus für
die Rechte eine Fessel sei, von der sie sich lösen müsse .
Der zentrale Grund für diese taktische Umorientierung mancher
Rechtsaußenparteien, die wesentlich mitglieder- und wählerstärker als
die NPD sind, ist der rechte Kampf gegen eine angebliche Islamisierung
Europas. Gerade in Ländern mit einen relevanten Anteil von Moslems in
der Bevölkerung hat die Auseinandersetzung auf der rechten Seite an
Bedeutung gewonnen. Auch in Deutschland dürfte dieses Thema in den
nächsten Monaten auf der Tagesordnung stehen. Auf Einladung der
rechtspopulistischen Bewegung Pro-Köln (16) sollen am 20. September
2008 führende Politiker der extremen Rechten Europas zu einer
Anti-Islam-Konferenz (17) nach Köln kommen. Unter anderem sind aus
Frankreich Le Pen und aus Belgien der Vorsitzende von Vlaams Bealng
Dewinter als Redner vorgesehen. Im Rahmen einer solchen
Bündnisstrategie ist ein Bekenntnis zu Israel sogar vorteilhaft. Am
Antisemitismus ändert das aber wenig .

LINKS

(1)
http://nasofi.blogspot.com/
(2) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26022/1.html
(3)
http://www.verfassungsschutz.de/download/SAVE/thema_0704_autonome_nation
alisten.pdf
(4)
http://www.classless.org/2008/05/16/israelsolidaritat-bizarr/
(5) http://www.adf-berlin.de/wbb2/thread.php?threadid=4038
(6) http://top-berlin.net/
(7) http://top-berlin.net/?page_id=45
(8)
http://de.altermedia.info/general/nationale-wirrkopfe-oder-fake-160508_1
4227.html
(9)
http://www.tagesspiegel.de/politik/div/;art771,2532494
(10) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17674/1.html
(11) http://www.vlaamsbelang.be/
(12) http://www.frontnational.com/
(13)
http://www.hagalil.com/antisemitismus/frankreich/antisemitismus-4.htm
(14) http://www.guardian.co.uk/politics/2008/apr/10/thefarright.race
(15) http://www.bnp.org.uk/
(16) http://www.pro-koeln-online.de
(17)
http://gegendenstrom.blog.de/2008/03/10/anti-islam-kongress-am-20-septem
ber-in-k-3848746?nosubc=1

Telepolis Artikel-URL:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28045/1.html