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ND15.08.2008Ende der Linken an den Unis?
Von Peter Nowak
Eine neue Kulturrevolution an deutschen Hochschulen will ein Redakteur von »Zeit-Campus«, dem Studentenmagazin der liberalen Hamburger Wochenzeitung »Die Zeit«, ausgemacht haben. Die Vorherrschaft der Linken sei zu Ende, pragmatische Gruppen, die über die Verteilung der Studiengebühren mitentscheiden und mit Hochglanzbroschüren für ihre Servicedienste werben, würden zunehmend die Politik der Hochschulgremien bestimmen. Nun ist der Mythos von den linken Hochschulen eigentlich schon lange begraben worden. Linke Mehrheiten in studentischen Gremien kamen oft nur dort zustande, wo bei extrem niedriger Wahlbeteiligung die linken Kommilitonen zur Stimmabgabe mobilisiert werden konnten.
Mag die Lage der Linken an den Hochschulen auch ernst sein, ganz so hoffnungslos wie sie von »Zeit-Campus« gezeichnet wurde, ist sie denn doch nicht. Denn um zu beweisen, dass dem Pragmatismus die Zukunft gehöre, wurde in dem Artikel alles ausgeblendet, was dem widersprechen könnte. Dazu gehören beispielsweise die hartnäckigen Proteste gegen die Studiengebühren in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hamburg. Die haben deutlich gemacht, dass Studierende auch heute noch zu politischen Engagement bereit. Die Rücknahme der Studiengebühren durch die neue hessische Parlamentsmehrheit ist ein später Erfolg dieser Bewegung und nicht die Folge der pragmatischen Taktierer. Auch dass vor Kurzem der AStA der Universität Münster und der Studierendenrat der Uni Jena den bundesweiten Studierendenverband fzs mit dem Vorwurf verlassen haben, dieser sei zu angepasst, passt nicht in das Bild einer unpolitischen Studierendenvertretung.
Eine Erneuerung der Linken ist durchaus möglich. Allerdings muss sie dazu mit sozialen Bewegungen außerhalb der Hochschulen kooperieren. Schließlich haben auch dort Aktivisten immer wieder die Erfahrung gemacht, dass sie nicht mit Pragmatismus, sondern mit der Bereitschaft zum Widerspruch Erfolge erringen können.