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ND07.01.2008Kohle mit Imageproblem
Wachsende Proteste gegen fossile Energie
Von Peter Nowak
»Keine neuen Tagebaue« heißt die Initiative eines Bündnisses aus Umweltgruppen, den Grünen und der LINKEN, die mit einem Volksentscheid den Kohleabbau an der Lausitz stoppen wollen und sich damit gegen die Pläne der großen Koalition in Brandenburg und den Energiekonzern Vattenfall richtet. Die Unterstützung für die Kritiker der umweltschädlichen Energiegewinnung aus Kohle wächst allerdings auch bundesweit. Träger des Protestes sind neben regionalen Anwohnerinitiativen die Umweltverbände. Dort hat man lange Zeit den Fokus auf den Kampf gegen die Atomkraft und den Transport von Atommüll gerichtet und immer wieder vor einer drohenden Renaissance dieser schädlichen Technologie gewarnt.
Doch dabei geriet aus dem Blickfeld, dass es im Bereich der Kohlekraftwerke zur Zeit einen wahren Boom gibt. So ist 2008 in Deutschland völlig unbeeindruckt von der Klimadiskussion der Bau von insgesamt 26 Braun- und Steinkohlekraftwerken mit einer Gesamtleistung von 26 000 Megawatt geplant. Bereits im Jahr 2004 betrug der Anteil des Stromsektors an den deutschen CO2-Emissionen rund 36 Prozent. Tendenz steigend.
Bislang ist die Stromerzeugung aus Kohle für die Energiekonzerne ein lukratives Geschäft. Doch im Sommer 2008 wollen die Gegner der Kohlekraftwerke mehrere Klimacamps in der Nähe von geplanten oder fertiggestellten Kraftwerken starten. Und derzeit sieht es so aus, als ob die neue Debatte um Klima und CO2 eine größere Protestbewegung auslösen könnte.
Bei den vier großen Energiekonzernen allerdings fürchtet man solche Szenarien. Schließlich hat in Westdeutschland eine ähnliche, starke außerparlamentarische Bewegung den AKW-Plänen von Politik und Wirtschaft zu einer Zeit Grenzen gesetzt, als die Umweltdebatte noch als Luxusthema galt.