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ND24.11.2008Kapitalisten für die Umwelt
Von Peter Nowak
Am 12. Dezember berät die EU in Brüssel erneut über ihr Klimaprogramm und schon warnen Konzerne, dass Klimaauflagen der drohenden Rezession neuen Schub gäben. Politiker der Union und der FDP stimmten schon in dieses Klagelied ein. Alles wie gehabt, könnte man meinen. In Sonntagsreden gerieren sich alle als Klimaretter, aber wenn's dann konkret wird, war es so ernst doch nicht gemeint.
Doch vor dem neuen EU-Gipfel hat sich etwas verändert. Rund 150 in der Corporate Leaders Group on Climate Change (CLG) zusammengeschlossene Unternehmen setzen sich für verbindliche Klimaziele ein. Darunter befinden sich der Energiekonzern Enel, die Fortisbank, Allianz, Shell und Vodafone. Es ist natürlich nicht das grüne Gewissen, das diese Unternehmen anspornt. Der Grund ist viel materialistischer. Umweltschutz ist längst eine Profitquelle geworden und die im CLG zusammengeschlossenen Firmen plädieren für klare Regeln bei der Gewinnmaximierung. Außerdem haben sie erkannt, dass es teurer ist, konkrete Klimaziele immer weiter rauszuschieben, in der Hoffnung, irgendwie würden sich die Probleme schon von selbst erledigen. Diese klimabewussten Unternehmen agieren jetzt als eine Art ideeller Gesamtkapitalist, der sich gelegentlich gegen kurzfristige Gewinnerwartungen einzelner Firmen durchsetzen muss.
In Deutschland freilich wird vor entscheidenden Landtags- und Bundestagswahlen wohl wie ehedem Arbeitsplatzsicherheit gegen Ökologie ausgespielt. In Hessen konnte man das gerade erleben: Da hat man mit Hermann Scheer einen Vertreter des ökologischen Kapitalismus aus der aktiven Politik vergrault. Selbst in Leserbriefen an die SPD-nahe »Frankfurter Rundschau« wurde Scheer als fanatischer Solarpapst gescholten, weil er sich doch tatsächlich für ein ökologisches Unternehmen einsetzte. Ob sich die umweltfreundlichen Kapitalisten auf dem Gipfel in Brüssel durchsetzen können oder ob es ihnen wie Scheer ergeht, ist noch längst nicht ausgemacht.