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ND25.08.08Strahlend in Salzlake
Von Peter Nowak
Wenn es um Proteste gegen Atommülllager geht, stand die an der Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen liegende Kaligrube Morsleben in den letzten Jahren nicht an erster Stelle. Daher mag es im ersten Augenblick überraschen, dass Umweltgruppen aus der Umgebung am 31. August zum dritten Morsleben-Spaziergang einladen. Unterstützt wird die Aktion, die um 14 Uhr vor dem Tor der Müllkippe startet, von Umweltschutzorganisationen wie BUND und NABU.
Anfang der 90er Jahre stand Morsleben schon einmal im Blickfeld der bundesweiten Anti-AKW-Bewegung. Tausende demonstrierten vor Ort gegen die damals bekannt gewordenen Pläne, die Kaligrube zum bundesweiten Atomklo zu machen. Daraus ist vor allem aus geologischen Gründen nichts geworden. Weil die Anlage einzustürzen drohte, wurde Ende der 90er Jahre die Einlagerung des Atommülls gestoppt. Geblieben ist eine Atomruine mit schwach radioaktivem, aber keineswegs harmlosem Müll, dessen sichere Lagerung für lange Zeit viel Geld kosten wird. Denn für einen Abtransport sprechen sich wegen der damit verbundenen Gefahren auch die Umweltgruppen nicht aus. Ihnen geht es vor allem darum, der Propaganda der Atomlobby in Medien und Parteien etwas entgegenzusetzen.
Wenn Atomstrom als billige Alternative zu anderen Energiequellen nur lange genug propagiert wird, könnte in Zeiten hoher Strompreise die immer noch vorhandene Ablehnung der Bevölkerung schwinden, so das Kalkül der AKW-Befürworter. Deshalb sind die Umweltverbände gut beraten, an die versteckten Kosten der Atomkraft-Nutzung zu erinnern. Die lassen sich an Asse II und Morsleben gut verdeutlichen. Nach einer kürzlich vom Bundesamt für Strahlenschutz veröffentlichten Ausschreibung soll die Kaligrube in Sachsen-Anhalt für 1,2 Milliarden Euro stabilisiert werden. Das werden nicht die letzten Kosten sein. So dient den Umweltschützern auch Morsleben als Beweis für ihre Argumentation, dass es keine sichere Endlagerung gibt und dass Atomstrom keinesfalls billig ist.