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ND06.06.2008Schluss mit Karoshi
Japans Prekäre organisieren sich
Von Peter Nowak
Prekäre Beschäftigung ist auch in Japan auf dem Vormarsch. Beschäftigte trotz dieser erschwerten Bedingungen zu organisieren, hat sich die Organisation »Freeters« zur Aufgabe gemacht.
Im Zuge der Globalisierung hangeln sich auch in Japan immer mehr vor allem jüngere Menschen von einem befristeten Job zum nächsten. Viele von ihnen haben einen Universitätsabschluss. »Sie sind gezwungen, ihren Lebensunterhalt dauerhaft mit miesen Jobs zu bestreiten«, meint Go Kohso. Der Freeters-Aktivist hat kürzlich auf einer Rundreise durch Deutschland die Arbeit seiner im Jahr 2004 gegründeten Gewerkschaft »Freeters« vorgestellt. Der Name ist ein Kunstwort, das dem englischen Begriff Freelancer entlehnt ist.
Freeters konnte in den letzten Jahren bei Japans Prekären an Einfluss gewinnen. Dafür macht Kohso einen Einstellungswandel bei Teilen der Belegschaft verantwortlich. »Die Vorstellung einer lebenslangen Anstellung in einer Firma gehört heute der Vergangenheit an«.
Diese Veränderung hat Folgen auch für die Kampfbereitschaft der Beschäftigten. Lange Zeit wurde vor allem in der älteren Generation Japans ein Arbeitsethos gepflegt, in dem Urlaub und Pausen als Luxus aufgefasst wurden. Der Begriff Karoshi für den frühen Tod durch Überarbeitung wurde weltbekannt.
Doch vor allem die jüngere Generation ist mittlerweile bereit, für ihre Interessen zu kämpfen. Sie sind die Basis der Freeters. Die Organisation ist basisdemokratisch organisiert und orientiert sich am Modell des Anarchosyndikalismus. Ziel sei nicht die Gründung einer mitgliederstarken zentralistischen Organisierung, sondern der Aufbau eines Netzwerkes für Menschen und Gruppen, die sich für mehr Lohn und gegen schlechte Arbeitsbedingungen organisieren, betont Kohso.
Das Zentrum der Freeters-Aktivitäten ist Tokio. Aber auch in anderen Städten arbeiten Gruppen nach den gleichen Grundsätzen. Dabei werden unterschiedliche Bereiche abgedeckt. Einige Freeters-Gruppen konzentrieren sich auf die Organisierung migrantischer Arbeiter, andere auf den Sektor der Leiharbeiter. Um die Beschäftigten über ihre Rechte zu informieren, wurde ein Handbuch erstellt, das ständig aktualisiert wird und im Internet heruntergeladen werden kann.
Die Aktivitäten der Freeters haben auch schon zu spürbaren Erfolgen geführt. So ist die Belegschaft der Goodwill Group, einer führenden japanischen Leiharbeitsfirma, mittlerweile gewerkschaftlich organisiert.