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Blick nach Rechts07/2008Jagd auf Linke
In Berlin-Friedrichshain häufen sich rechtsextreme Übergriffe.
Die Angreifer kamen in den frühen Morgenstunden des 9. März. Um 4.45 Uhr versuchten etwa 15 Vermummte das Sama-Cafe, eine alternative Kneipe im Berliner Stadtteil Friedrichshain, zu stürmen. Wegen der Gegenwehr der Gäste mussten sich die Eindringlinge, darunter Aktivisten der Freien Kameradschaften, zurückziehen. Eine Woche später sprühten zwei Rechtsextremisten Reizgas in den Vorraum einer anderen alternativen Kneipe in dem Stadtteil. Wenige Tage zuvor gingen die Scheiben eines Veranstaltungsorts in unmittelbarer Nähe zu Bruch. Dort hatten bekannte Rechtsextremisten zuvor Hausverbot bekommen.
„Sie kommen vor allem aus dem angrenzenden Stadtteil Lichtenberg am Wochenende nach Friedrichshain, um einen Discobesuch mit der Jagd auf Linke zu verbinden“, meint Markus Roth von der Friedrichshainer „Initiative gegen Rechts“, in dem sich Parteien, Stadtteilinitiativen und Antifagruppen zusammen geschlossen haben. Für die Zunahme der rechtsextremen Übergriffe macht Roth auch neue Entwicklungen in der Freizeitkultur verantwortlich. So hat sich in Friedrichshain eine Großdisco etabliert, in der Gäste aus der rechten Szene fest integrierter Bestandteil sind. Dieser Ort habe den Rechtsextremisten in der Vergangenheit öfter als Treffpunkt und Rückzugsort gedient.
Seit 2006 kommt es in Friedrichshain immer wieder zu Übergriffen auf Menschen, die nicht ins rechte Weltbild passten. „Da genügt es schon, wenn jemand Rastahaare oder eine Punkfrisur hat“, meint Roth, der Mitautor einer Chronik rechter Gewalt in Friedrichshain ist. Darunter sind auch mehrere Mordversuche aufgelistet, bei denen die Angegriffenen auf die Gleise der S-Bahn oder auf eine vielbefahrene Straße geworfen wurden. So beispielsweise am 2. März 2008 im S-Bahnhof Frankfurter Allee. Die 20-jährige Anja F. stößt einen Farbigen, den sie zuvor mit rassistischen Sprüchen beleidigt hatte, vor den einfahrendenn Zug. Das Opfer kann von Passanten im letzten Moment vom Gleisbett gezogen werden. Die Täterin wird in der Nähe des Bahnhofs festgenommen.
Peter Nowak